Die Archäologin Claudia Maria Melisch bei der Führung am Tag des Offenen Denkmals.
Foto: Berliner Zeitung/Maritta Tkalec

Berlin-MitteEine elegante Dame aus dem 13. Jahrhundert begrüßte am Sonntag 17 maskierte Berlinerinnen und Berliner aus dem Pandemiejahr 2020, die am Tag des Offenen Denkmals zum Petriplatz gekommen waren. Claudia Maria Melisch, verantwortliche Archäologin für die Ausgrabungen rund um die Petrikirche, hatte ein blaues, bodenlanges Kleid nach der Mode der Gründerzeit der Städte Cölln und Berlin mit geschlungenen Gürteln und besticktem Gürteltäschchen ausgewählt, um die Interessierten angemessen lebensfroh mit dem ältesten Teil der Stadt bekannt zu machen.

Sie begann ihre Führung mit einem Rätsel, das ihr ein Fundstück aufgab: Im Straßengraben der alten Scharrenstraße entdeckte man 14 kleine runde steinerne Scheiben. Was war das? Webgewichte? Teile einer Spindel? Deckel? Claudia Melisch befragte per Internet die internationale Forschergemeinde. Eine holländische Kollegin hatte eine Idee: Das könnten Steine eines Spiels sein, ähnlich dem heutigen Shuffleboard, bei dem Scheiben über ein Brett in kleine Tore zu schubsen sind. In Holland ein Kneipenspiel. Und schon ist man dem Mittelalter-Köllner, einem womöglich vergnügten Völkchen, näher gerückt und die Vorstellung vom finsteren Mittelalter erhält den nächsten Knacks.

Eigentlich gibt es am Tag des Offenen Denkmals Gelegenheit, sonst unzugängliche Orte zu betreten, doch rund um den Petriplatz kann die Geschichte des Ortes nach Belieben beim Spazierengehen entdeckt werden – noch bevor das Archäologische Haus mit den Resten der Alten Lateinschule eröffnet wird. Zum Beispiel im Hotel Capri, das auf dem Platz des alten Cöllnischen Rathauses errichtet wurde. Im Foyer öffnet eine große Glasplatte im Boden den Blick ins Mittelalter, auf Feldsteinmauern aus dem 14. Jahrhundert, einen rund gemauerten Brunnen.

Die Hotel-Rezeption hält Info-Blätter bereit.

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