Wenn im nächsten Jahr in Leipzig ein Drei-Sterne-Hotel in der Grimmaischen Straße eröffnet, werden die Gäste beim Frühstücksbuffet Brot, Butter, Wurst und Müsli von Tischen nehmen, die aus jahrhundertealtem Holz sind. Denn Eberhard Wiedenmann, der Hotel-Bauherr, hat dafür Eichenpfähle ersteigert, die unter dem 1950 abgerissenen Berliner Stadtschloss verbaut worden waren. Wiedenmann gehörte am Sonntag im Hotel Abba an der Lietzenburger Straße zu den ersten erfolgreichen Bietern für die antiken Pfähle. Rund 2000 Hölzer, Eiche und Kiefer, aus dem Fundament des Schlosses kommen noch bis Dienstag unter den Hammer.

„Etwas ganz Besonderes“

„Unseren Gäste werden wir damit etwas ganz Besonderes bieten können“, sagt Wiedenmann, der auch am Montag bei der Auktion dabei sein will. Er denkt nicht nur an die Tische, die aus dem geschichtsträchtigen Material entstehen sollen, sondern auch an Kunstwerke aus Holz. Möbeldesignerin Nicole Masseit, die in Kreuzberg ihr Geschäft „Die Möbelhauerei“ unterhält, ist auf der Suche nach ganz speziellem Material sogar schon nach Venedig gereist. „Ich wollte Pfähle erstehen, die zur Begrenzung der Kanäle gebraucht werden“, erzählt sie. Das sei ihr aber leider nicht gelungen. Vielleicht klappe es ja diesmal in Berlin mit historischem Holz. Aber es sei natürlich alles auch eine Frage des Preises. So sieht es auch Sabine Maruyma, kaufmännische Angestellte aus Mitte. „Ich war noch nie auf einer Auktion“, sagt sie. Aber so eine uralte Eichenbohle würde ihr schon gefallen. „Man könnte einen Esstisch daraus machen lassen.“ Maximal 1 000 Euro würde sie sich das kosten lassen – „das ist mein Limit“.

Doch die Partien, die Auktionator Hans Peter Plettner zunächst aufruft, sind größer und teurer. Der 72-Jährige, der sonst Grundstücke und Häuser versteigert, arbeitet das erste Mal „in Holz“. „Für mich ist das auch eine Premiere“, sagt er. Bevor er die ersten Partien aufruft, stellt er den etwa 150 Interessenten erst einmal das Prozedere vor: Zunächst werden die Pfähle und Bohlen aus Eiche aufgerufen, dann große und kleinere Kiefernpfähle, danach Bruchholz. Alle Hölzer, so ergaben es Untersuchungen, stammen von Bäumen, die in der Nähe des Schlosses wuchsen. Verbaut wurden sie zwischen 1680 und 1710.

Geeignet zur dekorativen Weiterverarbeitung

Das Fundament des alten Schlosses wurde für den Bau des geplanten Humboldtforums abgetragen. Die dicken Pfähle wurden durch eine Recyclingfirma geborgen und lagern auf deren Gelände in Spandau. Wenn sie getrocknet sind, etwa in einem halben Jahr, können sie wieder verbaut werden – allerdings nicht in tragenden Konstruktionen. Geeignet seien sie vor allem zur dekorativen Weiterverarbeitung, sagt Plettner, für Möbel, zur Raumausstattung oder als Kunstwerke. In der Lobby des Abba-Hotels hat er durch einen Tischler eine kleine Ausstellung aufbauen lassen. Die angespitzten Pfähle sehen kunstvoll verwittert aus – es gibt eine Bank daraus, auch einen Tisch. Am Dienstag soll auch die Ausstellung versteigert werden.

4760 Euro ruft Plettner zuerst auf – das Mindestgebot für zehn Eichenpfähle, zwischen zwei und drei Meter lang, die nur zusammen zu haben sind. Sie gehen für 5 600 Euro weg. Die nächste Partie wird noch einmal 200 Euro teurer. Erst als eine Zehnerpartie für das Mindestgebot unter den Hammer kommt, geht Plettner zu kleineren Mengen über. Nun werden je fünf, dann drei Eichenpfähle aufgerufen. Dann sind vier Einzelexemplare dran. Für 700 bis 900 Euro sind sie schnell weg.

Torsten Kunert aus Köpenick hat zwar bereits zehn der Pfähle ersteigert. Doch obwohl sein dreijähriger Sohn John schon etwas unruhig wird, wartet er noch auf die kommenden Aufrufe, darunter bis acht Meter lange Kiefernpfähle. Er will sich aus dem Schloss-Holz Möbel machen lassen, den Fachmann hat er mit Tischler Thomas Rauscher aus Weißensee gleich mitgebracht. „Zur Beratung“, sagt Kunert.