Versuchter Mord in Schöneberg: Mann verstümmelt Lebensgefährtin

Berlin - Ein Passant hat die Frau entdeckt. Der Mann hatte am Dienstag gegen 18 Uhr aus einer Parterre-Wohnung in der Langenscheidtstraße in Schöneberg Schreie gehört. Er zog sich an der Fassade hoch und blickte durch ein offenstehendes Fenster. Dabei bemerkte er eine blutüberströmte Frau. Sie saß gefesselt und geknebelt auf einem Stuhl. Der Mann alarmierte die Polizei.

Nach deren Angaben handelt es sich um einen der brutalsten Fälle häuslicher Gewalt in den vergangenen 20 Jahren. Die Frau ist 36 Jahre alt. Nach ihrem neun Jahre älteren Lebensgefährten wird inzwischen bundesweit gefahndet. Die Mordkommission ermittelt wegen eines versuchten Tötungsdeliktes.

Beamte geschockt

Die Funkwagenbesatzung, die als erste am Tatort war, erlitt einen Schock. Die Frau blutete im Gesicht, am Oberkörper und im Genitalbereich. Sie atmete schwer und war vor Schmerzen kaum bei Sinnen. Feuerwehrleute brachten sie in das Virchow-Klinikum. Dort wurde sie sofort operiert. Mittlerweile sei die Frau außer Lebensgefahr, hieß es am Mittwochabend.

Wegen der schweren Verletzungen sei sie noch nicht befragt worden. Der mutmaßliche Täter soll ihr die Brüste entfernt haben. Sie sei langsam verstümmelt worden, hieß es bei der Polizei. Anwohner wollen ebenfalls die Schreie gehört haben. Die Polizei alarmierten sie allerdings nicht.

Auch ein Kind, die zehnjährige Tochter der Frau, befand sich während der Tat in der Wohnung. Sie war ebenfalls gefesselt und geknebelt worden und saß im Nachbarzimmer. Das unter einem schweren Schock stehende Kind wird seit Dienstag vom Kindernotdienst betreut. Psychologen kümmern sich um die Schülerin. Mit Rücksicht auf das Mädchen gab die Polizei keine Einzelheiten der Tat bekannt.

Verliebt in Hand und Hand

Das unverheiratete Paar lebte noch nicht lange in Berlin. Die beiden, die aus Iran und Irak stammen, hatten sich vor Monaten in einem Ausländerwohnheim in Eisenhüttenstadt kennengelernt. Die Frau hatte mit ihrer Tochter die Wohnung in dem 50er-Jahre-Bau in der Langenscheidtstraße zugewiesen bekommen. Dort, im Schöneberger Crelle-Kiez, wohnen sowohl viele Intellektuelle als auch Arme und Migranten.

Mitarbeiter eines nahe gelegenen Geschäfts sagten, dass der Mann und die Frau durch ihre Offenheit auffielen. „Da war nichts mit Kopftuch“, sagte eine Verkäuferin. „Sie waren verliebt Hand in Hand unterwegs.“ Die Frau habe sich europäisch gekleidet, sagten Anwohner. Eifersucht als Tatmotiv schließen die Ermittler nicht aus. Bekannte der Frau erzählten am Mittwoch, dass sich die alleinerziehende Mutter von ihrem Freund trennen wollte. Der Mann habe ihr daraufhin mit dem Tod gedroht.

Die Zahl der Fälle häuslicher Gewalt nimmt in Berlin zu. Im vergangenen Jahr wurden der Polizei 16 108 Fälle bekannt. Das sind 136 Fälle mehr als im Jahr zuvor. Die Dunkelziffer sei in diesem Bereich sehr hoch, sagen Ermittler. Aus Angst vor Racheakten meldeten sich viele Opfer nicht. Mehr als ein Viertel der Opfer sind Frauen zwischen 30 und 39 Jahren.

Der Fall in der Langenscheidtstraße erinnert an das Verbrechen am 4. Juni dieses Jahres in der Köthener Straße in Kreuzberg. Ein 32-jähriger Familienvater hatte seine Frau erstochen und ihr anschließend den Kopf und eine Brust abgeschnitten. Dann warf er den Körper über die Balkonbrüstung in den Innenhof. Er ist jetzt angeklagt worden. Der Mann gilt als psychisch krank.