Wer in Berlin am Kottbusser Tor steht, sieht den Wohnblock schon von weitem: Rund 300 Wohnungen und 80 Läden gehören zum „Neuen Kreuzberger Zentrum“. Die SPD-Angeordneten Ülker Radziwill und Iris Spranger setzen sich dafür ein, das Gebäude in der Nähe des U-Bahnhofs zu begrünen. „Grün darf kein Luxus sein“, sagte Radziwill der Deutschen Presse-Agentur.

„Ich finde, das ist ein sehr markantes, bekanntes Gebäude“, sagte Radziwill. Dort wohnten aber auch viele Menschen, die kein so großes Budget hätten. „Nicht jeder kann in den Urlaub fahren.“ Die Politikerinnen schlagen deswegen vor, den Komplex zu bepflanzen.

Der Vorbau mit seinen Cafés könne mit niedrigen Bäumen, Sträuchern und Gewächshäusern verschönert werden. Auf dem Dach des Hauptgebäudes könnten Moose wachsen. Dafür müsse man Statik und Wasserabläufe prüfen, sagte Radziwill. Denkbar seien auch vertikale Gärten - also Pflanzen, die sich an einer Fassadenkonstruktion hochranken.

Das Gebäude - auch NKZ abgekürzt - gehört seit 2017 der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Gewobag. Ursprünglich hatte ein privater Investor Interesse an dem Wohnhaus aus den 70er Jahren. Zur Weiterentwicklung des Objektes würden sie derzeit einige Maßnahmen prüfen, teilte eine Sprecherin der Gewobag mit. Im Vordergrund stünden für sie mehr Sicherheit, Ordnung und Attraktivität. Urban Gardening sei ein mögliches Element.

Förderprogramm für grüne Dächer

Sie hätten eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, um Möglichkeiten der Begrünung zu prüfen. Das Ergebnis: Bei der Schaffung von Grünflächen auf dem Dach des Hauptgebäudes gibt es Sicherheitsbedenken und eine Fassadenbepflanzung sei „wirtschaftlich nicht verhältnismäßig“, also zu teuer. Eine Begrünung des Vorbaus würde dagegen im Rahmen eines Gewerbe-Konzeptes abgestimmt, auch mit dem Mieterrat.

Der Vorschlag für den riesigen Wohnblock ist ein Beispiel, wie Berlin neue Ideen fürs Stadtbild sucht. Die rot-rot-grüne Landesregierung will zum Beispiel einen Beauftragten für Urban Gardening schaffen. Er soll andere beim Anlegen von Gärten beraten, die Stelle wird gerade ausgeschrieben. Gemeinschaftsgärten mitten in der Stadt gibt es zum Beispiel auf dem Tempelhofer Feld oder am Moritzplatz. Geplant ist auch ein Förderprogramm für grüne Dächer.

Die Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus fordert auch mehr Natur beim Neubau von Wohnungen. „Neue Stadtquartiere ohne neue Parkflächen soll es in Berlin nicht mehr geben“, erklärte Fraktionschefin Antje Kapek. Aus Sicht der Partei gehören bei Neubauten auch Grünflächen oder Gärten aufs Dach, nicht nur Solaranlagen.

„Grüner Wohnungs- und Häuserbau ist gerade das ganz große Thema, weltweit“, teilte die SPD-Abgeordnete Spranger mit. „In Wien und Tokio entstehen gerade die ersten Holzhochhäuser.“ Da müssten auch in Berlin mehr Impulse kommen. Radziwill kann sich als Alternative für einen vertikalen Garten auch vorstellen, dass die Wohnungsbaugesellschaft einmal mit den Bewohnern die Balkone bepflanzt und danach gemeinschaftlich pflegt.

Schon jetzt gibt es Balkone am Gebäude, hier und da blühen einige Geranien. Aus Radziwills Sicht ist das Ganze auch eine Frage des Geldes. Es gebe auch viele ältere Migranten in der Gegend, die ihr Wissen zum Beispiel an jüngere Menschen oder Schulklassen weitergeben könnten. Dafür brauche es ein bestimmtes Budget. Daran könne man auch in den nächsten Haushaltsberatungen denken, sagte Radziwill. (dpa)