BerlinDer Berlkönig geht erneut drei Monate in die Verlängerung. Der Fahrdienst, der in der östlichen Berliner Innenstadt rund um die Uhr unterwegs ist, wird mindestens bis zum 31. Januar 2021 weiterfahren. Am Dienstag haben die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und die Firma ViaVan, die ihn seit 2018 betreiben, die entsprechende Vereinbarung unterzeichnet. Das sagte BVG-Sprecherin Petra Nelken der Berliner Zeitung auf Anfrage. 

„Ein Argument war, dass eine solche Ergänzung des Nahverkehrsangebots gerade in Corona-Zeiten wichtig ist“, so Nelken. Ein gewinnbringendes Geschäft ist der Berlkönig dem Vernehmen nach nicht. ViaVan, US-Gemeinschaftsunternehmen von Daimler und Via, komme für das Fahrpersonal und die Software auf. Die landeseigene BVG stellt die Betriebshöfe zur Verfügung und finanziert das Marketing sowie die Bestellplattform, bei der die Fahrgäste per App den Berlkönig ordern können.

Subventionierte Konkurrenz für das Taxi

Ridesharing oder Ridepooling - das sind die Stichworte, unter denen Experten Fahrdienste wie den Berlkönig kennen. Fahrgäste, die ähnliche Ziele ansteuern, werden gemeinsam befördert. Ein Computer koordiniert die Fahrtwünsche und stellt die Routen zusammen. Ziel ist es, dass sich möglichst viele Fahrgäste Autos teilen – das senkt die Kosten. Konnten anfangs gerade mal elf Prozent der Fahrten gebündelt werden, so waren es im Dezember 2019 laut BVG bereits 59 Prozent.

Fahrten im Berlkönig sind billiger als mit dem Taxi – deshalb stößt der Fahrdienst im Taxigewerbe auf erbitterte Kritik. Pro Kilometer werden den Fahrgästen 1,50 Euro berechnet. Mindestpreis: vier Euro. Das Ein- und Aussteigen ist allerdings nur an 621 Bus- und 4423 virtuellen Haltestellen möglich. Die Innenstadt innerhalb des östlichen S-Bahn-Rings, außerdem der Ortsteil Gesundbrunnen, der Michelangelokiez in Prenzlauer Berg und das Komponistenviertel in Weißensee sind die Einsatzgebiete der schwarzen Limousinen. Alle Fahrzeuge tragen den Mercedes-Stern und sind mit dem bunten „Urban Jungle“-Würmermuster der BVG verziert.

Rechtlich gilt der Berlkönig als „atypischer Linienverkehr“– so hat ihn das Berliner Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten 2018 als vierjährigen Versuch genehmigt. Laut BVG liegt die Bezahlung des Fahrpersonals über dem gesetzlichen Mindestlohn. Ein Nachtzuschlag von 25 Prozent sowie freiwillige Zuschläge an Wochenenden und Feiertagen kommen hinzu.

Bald als Rufbus in Treptow und Marzahn unterwegs?

Beobachter teilen die Einschätzung, dass die Betreiberfirmen auch deshalb erneut Geld in die Hand nehmen, um Zeit für weitere Gespräche mit der Senatsverkehrsverwaltung zu gewinnen. Wie berichtet, wollen die BVG und ViaVan erreichen, dass das Fahrgebiet ausgeweitet wird und das Land den Betrieb subventioniert.

Zunächst war es das Ziel, in ganz Berlin Berlkönige fahren zu lassen. In diesem Fall wäre aber allein für 2025 ein Landeszuschuss in Höhe von 44 Millionen Euro erforderlich. Zum Vergleich: Die gesamte Verkehrsleistung der Busse, U- und Straßenbahnen der BVG wurde vom  Land Berlin beispielsweise im Jahr 2018 mit 86 Millionen Euro bezuschusst, heißt es in der Linken-Fraktion. Sie sieht wie auch die SPD die Pläne grundsätzlich kritisch.

Zuletzt hieß es, dass sich der Berlkönig für das geplante Rufbussystem eignen würde, das die BVG und das Land Berlin im aktuellen Verkehrsvertrag vereinbart haben. Einsatzgebiet könnten Teile der Bezirke Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf und Treptow-Köpenick sein. Beobachter weisen aber darauf hin, dass ein solches Pilotprojekt möglicherweise europaweit ausgeschrieben werden müsste.

Nun bleibt der Berlkönig weiterhin auf den Straßen präsent – und die Debatte über die Zukunft geht weiter.