Berlin - Manchmal ist die Entstehung einer Meldung interessanter als ihr Inhalt. Am Mittwochmorgen zum Beispiel ließ Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci mitteilen, „dass sich in Krankenhäusern tätiges medizinisches Personal ab dem 11. Februar 2021 täglich (vorzugsweise vor Dienstbeginn) mittels eines PoC-Testes auf eine Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 testen lassen muss“.

Schnelltests für alle Ärzte, alle Pfleger, quasi ab sofort? Eine Nachricht mit Sprengkraft, die durch baldige Korrektur aber entschärft wurde. Diesmal teilte die Senatorin mit, „dass Krankenhäuser verpflichtet sind, ihrem patientennah tätigen Personal anzubieten, sich täglich mittels eines PoC-Testes auf eine Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 testen zu lassen“.

Auf Nachfrage verweist Kalaycis Sprecher auf eine Mitteilung vom 4. Februar, worin es hieß, „dass sich Personal in stationären- bzw. teilstationären Pflegeeinrichtungen ab sofort täglich (in der Regel vor Dienstbeginn) auf eine Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 testen lassen muss“. Verwirrung komplett?

Einer, der die Antwort auf die ungestellte Frage kennt, ist Wolfgang Albers. Er ist gesundheitspolitischer Sprecher der Linke-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, und auf die gesundheitspolitischen Sprecher der Regierungskoalition aus SPD, Grünen und Linken geht das Hin und Her bei der Klinik-Meldung zurück. Ein bisschen zumindest. Albers sagt: „Wir hatten in der vergangenen Woche vor allem die stationären Pflegeeinrichtungen im Blick.“ Immerhin waren rund zwei Drittel der Corona-Toten Heimbewohner. „Wir standen zudem unter dem Eindruck eines Ausbruchs im Humboldt-Klinikum, wo ja eine Mutation auftrat.“ Also nahmen die Gesundheitssprecher das Klinikpersonal in ihren Vorschlag auf, die Senatorin folgte ihnen: Meldung eins.

Meldung zwei war dann so etwas wie ein Betriebsunfall, die auch die Berliner Krankenhausgesellschaft irritiert haben dürfte. Sie hatte schon gegen Meldung eins protestiert. Schließlich zeigte sich am Beispiel der Charité während der ersten Corona-Welle, zu welch logistischem Aufwand umfassende Tests führen. „Wir haben ordentlich Prügel bekommen“, berichtet Albers.

Unterschiedliche Zeiten bei Schichtbeginn und Schichtende an zum Teil weit verstreuten Arbeitsplätzen stellen Kliniken vor eine extreme Herausforderung, wenn dann auch noch vom Hausmeister bis zum Hautarzt jeder getestet werden soll. „Aufwand und Nutzen stehen in keinem Verhältnis“, so Albers.

Deshalb setzt die neue Verordnung nun auf Freiwilligkeit – und auf Vernunft. Vernünftig sind die Schnelltests allemal, sagt Albers, eine starke Waffe im Kampf gegen Corona sind sie. „Die gilt es verstärkt zu nutzen.“ Die Meldungen vom Mittwoch dürften wohl nicht die letzten zu diesem Thema gewesen sein.