Ein nach oben gestreckter Daumen wird in unserer Kultur als klares positives Signal der Unterstützung und Sympathie gewertet: Das gefällt mir! In der arabischen Welt gibt es kaum eine schlimmere Beleidigung, als jemandem den Daumen zu zeigen. Ähnliche Zeichen der Beleidigung und Verachtung sind ein aus Daumen und Zeigefinger gebildeter Kreis und das Zeigen von Fuß- und Schuhsohlen. „Diese kulturellen Unterschiede zu kennen, ist ganz wichtig“, sagt Otmane Lihiya.

Der 53-jährige Berliner Dozent für Arabisch, Französisch und für interkulturelle Kommunikation wird an den kommenden Wochenenden an der Volkshochschule Friedrichshain-Kreuzberg etliche Flüchtlingshelfer in Arabisch-Schnellkursen unterrichten. Von Sonnabend an lernen die Teilnehmer in einem vierstündigen Kurs die wichtigsten Wörter auf arabisch, etwa wie man sich begrüßt, bedankt, und verabschiedet. Auch Fragen nach Herkunft und Befinden werden geübt.

Gratis Arabisch-Schnellkurse auch in der VHS Lichtenberg

„Die Kursteilnehmer müssen sich umstellen, wie ein Autofahrer in England“, sagt Lihiya. Die meisten arabischen Laute kenne ein deutscher Muttersprachler, etwas Übung verlangten hingegen arabische „Schlund- und Schluckauf-Laute“. Doch wichtiger als die Sprache, so Lihiya, sei es, die kulturellen Unterschiede zu kennen: Welche Tabus gelten? Was bedeuten Gesten, Farben, Zeichen, Geschenke und welche Bedeutung haben Speisen und Getränke? Was darf man nicht anfassen?

Vorerst sieben solcher Workshops bietet die Volkshochschule Friedrichshain-Kreuzberg kostenlos an. Alle Kurse sind mit 14 Teilnehmern aber schon komplett ausgebucht.

Ein Flüchtlingshelfer hatte so einen Arabisch-für-Anfänger-Kurs in der Volkshochschule vor wenigen Tagen angeregt, schließlich kommen die meisten Flüchtlinge aus Ländern wie Syrien, Irak, Jordanien und Afghanistan. Die Mitarbeiter der Volkshochschule Friedrichshain-Kreuzberg reagierten schnell. Sie suchten einen geeigneten Dozenten und stellten ein Kursplan zusammen.

Die Kurs-Termine wurden über die Internetseiten der Berliner Flüchtlings-Initiativen verbreitet. „Innerhalb weniger Stunden waren alle Kurse ausgebucht“, sagt die Direktorin der Volkshochschule Friedrichshain-Kreuzberg, Bärbel Schürrle. „Da haben wir mal wirklich schnell und unbürokratisch reagiert.“ Die Kosten für Honorare und Verbrauchskosten in Höhe von 1500 Euro hat Schürrle aus ihrem Etat vorfinanziert und hofft, das Land Berlin übernehme diese Kosten. Auch die Volkshochschule Lichtenberg bietet im Oktober und November kostenlose Arabisch-Schnellkurse an.

Das Flüchtlingsnetzwerk „Berlin hilft“ hat eine Liste mit über 500 Begriffen in 30 Sprachen zusammengestellt (Refugee phrasebook).