Video aufgetaucht: Wie das geheimnisvolle Zimmer in den Berliner U-Bahn-Tunnel kam

Erlebt hat man bei der BVG ja bereits vieles - doch diese Aktion überraschte selbst die Mitarbeiter der Berliner Verkehrsbetriebe: Ende Januar tauchte im U-Bahn-Tunnel der U-Bahn-Linie 9 ein komplett möbliertes Zimmer im 80er-Jahre-Stil auf.

Ein Foto des Zimmers machte im Netz die Runde und plötzlich sprach jeder von der ungewöhnlichen Kunstaktion. Auch wir berichteten damals. Wie gelang es, Möbel, Tapete, Teppich und andere Einrichtungsgegenstände unbemerkt im U-Bahn-Tunnelsystem zu transportieren? Und wer steckt dahinter? 

Hinweise darauf gibt ein jetzt veröffentlichtes Video. Ins Internet gestellt hat es ein User, der sich Markus Lanz nennt, das Video heißt "Secret Bedroom Discovered" - denn das war genau die Schlagzeile (deutsch: "Geheimes Schlafzimmer entdeckt") in vielen Medien Anfang des Jahres.

Berliner Kollektiv "Rocco and his brothers"

Darauf zu sehen ist eine Gruppe von fünf Personen, die sich Warnwesten der BVG anziehen und mit den Zimmer-Utensilien in aller Ruhe in den U-Bahn-Schacht im U-Bahnhof Schloßstraße spazieren. Das 4-minütige Video zeigt, wie die Unbekannten - offenbar steckt das Berliner Kollektiv "Rocco und seine Brüder" dahinter - die Tapete anbringt, den Teppich ausrollt und das Zimmer einrichtet. Einer der Männer gibt sich als BVG-Mitarbeiter aus, der dort übernachtet und am nächsten Morgen das Zimmer verlässt.

Natürlich wurden alle Teilnehmer der Aktion im Video unkenntlich gemacht, so dass es der BVG schwer fallen dürfte, die konkreten Schuldigen ausfindig zu machen. Auf ihrer Webseite geben die Rocco-Brüder an, seit 2000 fester Bestandteil der Berliner Graffiti-Szene zu sein, man wolle autonome Kunst erschaffen. Die Crew spricht von sozio-politischen Kunstaktionen - für die BVG ist es vor allem ein großes Ärgernis.

Das Video gehe nun an die Polizei, hieß es am Montag bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG). Das Unternehmen hatte nach dem Vorfall im Februar Anzeige erstattet. „Es ist nicht so, dass wir keinen Spaß verstehen“, sagte Sprecherin Petra Reetz.

Sie warnte nach Bekanntwerden der Aktion vor den Gefahren. „Das ist kreuzgefährlich“, so BVG-Sprecherin Petra Reetz vor einigen Monaten. „Dort war überall Strom angeschaltet“. Ein falscher Schritt, ein schnell heranfahrender Zug hätten den Tod bedeuten können. Zudem habe es sich um Hausfriedensbruch gehandelt. (mit dpa)