Liebe und Offenheit statt Hassreden und Fremdenfeindlichkeit: Das ist einer der Grundsätze des diesjährigen Orbanism-Festivals, das am 28. und 29. November an mehreren Orten der Stadt, beispielsweise dem Aufbau Haus am Moritzplatz oder dem Berliner Büchertisch in Kreuzberg, stattfindet. „Orbanism“ ist eine Wortneuschöpfung, zusammengesetzt aus „orbis“ und „urbanism“, „Kreis“ und „Stadt (-forschung)“.

Die Konzeptentwickler und Festivalmacher Christiane Frohmann und Leander Wattig wollen etwas umständlich bereits im Namen andeuten, dass sie Urbanes und Globales zusammenbringen. Autoren, Filmemacher, Künstler und Kreative sind aufgefordert, ihre Ideen zu diesem Themenkomplex nicht nur zu präsentieren, sondern sie unter einer freien Lizenz zur Verfügung zu stellen. Das ist das Besondere am Orbanism Festival: Es soll gemixed, umgedeutet und wiederverwertet werden, eigentlich ist alles erlaubt.

Dieser Inhalt ist nicht mehr verfügbar.

Wattig sitzt in einem Café in Kreuzberg und holt weit aus: „Wir haben die Idee, eine Diskussion zu beleben, die einige schon für tot erklärt haben, nämlich die über das Urheberrecht.“ Wattig hat Verlagswirtschaft studiert und arbeitet seit 2007 frei in der „Content-Wirtschaft“, berät Verlage, derzeit ist er Dozent an der UdK. Er ist gewissermaßen ein Experte in Sachen Urheberrecht. Das geschriebene Wort, vor allem das Buch, ist ihm wichtig. Ein Konservativer ist Wattig aber nicht. „Wir wollen das Positive zeigen und erfahrbar machen, das entstehen kann, wenn du offen mit Content umgehst“, sagt er.

Das Motto des Orbanism-Festivals ist dieses Jahr „Falling in Love“, also „sich verlieben“. Umgesetzt wird dies zum Beispiel mithilfe von Collagen oder Plakaten. „Make Love“ ist eine großflächige Collage, die Gesichter zeigt, Herzen und Spruchversatzstücke. Das Plakatprojekt „Heldenreise“ nimmt das bereits zur Ikone gewordene Jesus-Loves-You-Poster und denkt es weiter, setzt andere Plakate dazwischen. Dass die Macher des Festivals nicht naiv sind, also nicht dem Gedanken verfallen sind, im Netz müsste alles frei und unentgeltlich sein, drückt sich in dem Diskussionsformat des Festivals aus.

Orbanism Space mit Sascha Lobo

Bereits auf der Frankfurter Buchmesse gab es in diesem Jahr einen sogenannten Orbanism Space. Hier sprach der Berliner Blogger Sascha Lobo mit der Festivalmacherin Christiane Frohmann. Im Rahmen des Festivals diskutieren die Kooperationspartner, wie Mitglieder des Verlags iRights oder der Open Knowledge Foundation und die teilnehmenden Künstler miteinander. „Wir bringen Leute zusammen“, sagt Leander Wattig dazu, „die unter anderen Umständen nicht zusammen kommen würden.“

Sämtliche Künstler, ihre Werke und die Adressen der Festivalorte sind auf der Internetseite festival.orbanism.com zu finden. Für Besucher lohnt es sich, vorab einen Plan zu machen, denn manchen der Festival-Orte liegen recht weit auseinander, einige Werke werden in Kreuzberg oder Neukölln ausgestellt, andere in Charlottenburg. Urbanes Leben eben.

Der Video-Beitrag wurde produziert von XEN.ON TV, dem Ausbildungsfernsehen des Medieninnovationszentrums Babelsberg.