Videokameras: An diesen Orten in Berlin werden Sie überwacht

Berlin - Seit dem Terroranschlag am Breitscheidplatz am 19. Dezember ist die Sicherheitsdebatte in Berlin im vollen Gange. Neben mehr Polizisten und besserer Ausrüstung wird vor allem auch eine verstärkte Videoüberwachung in der Hauptstadt gefordert. Am Montag erst beschloss die rot-rot-grüne Koalition eine Ausweitung der Kameraüberwachung, allerdings nur „anlassbezogen und temporär“, so Innensenator Andreas Geisel (SPD). Gegen mehr permanente Videokameras konnten sich Linke und Grüne zur Wehr setzen.

Doch das heißt keineswegs, dass in Berlin kaum oder wenig überwacht wird. Unter dem Namen „Surveillance under Surveillance“, also „Überwachung unter Überwachung“, startete bereits im August ein Projekt, dessen Ziel es ist, weltweit Überwachungskameras aufzuspüren und zu kartografieren. Wie eine Online-Karte zeigt, gibt es in der deutschen Hauptstadt zahlreiche Orte, an denen uns jemand über die Schulter schaut.

Jeder darf mitmachen

Besonders die Gebiete rund um den Reichstag und unter den Linden werden augenscheinlich stark videoüberwacht. Kein Wunder, denn neben Gebäuden des Bundestages finden sich in dem Gebiet auch zahlreiche Botschaften, darunter die russische, britische, französische und US-amerikansiche. Das bedeutet jedoch nicht, dass in anderen Gebieten die Videoüberwachung weitaus geringer ist.

Denn an dem Projekt kann über Openstreetmap jeder mitmachen, der möchte. „Die auf der Karte gezeigten Daten stellen nur ein sehr verzerrtes Bild der Situation dar. Abhängig vom Engagement einzelner bei Openstreetmap Aktiven sind Daten erfasst oder eben nicht“, sagt Max Kamba, der das Projekt leitet, zu Netzpolitik.org.

Dennoch wurden allein in Berlin bisher mehr als 1200 Kameras erfasst. Neben den bereits genannten Orten finden sich viele vor allem bei Ministerien, sowie im Zusammenhang von einzelnen Firmen.

Nicht das erste Projekt dieser Art

Das Projekt versteht Max Kamba vor allem als Kritik gegen Forderungen, die Videoüberwachung auszuweiten. „In unseren Städten gibt es kaum noch öffentlichen Raum, der nicht unter dauernder Beobachtung steht. Vielen scheinen die Kameras nicht mal aufzufallen und wenn doch, nicht zu stören. Dient ja der ‚Sicherheit‘ und ‚wer nichts zu verbergen hat‘…“, der Aktivist auf Netzpolitik.org. Um andere darauf hinzuweisen, wie „schlimm“ es bereits beim Thema Videoüberwachung steht, habe er das Projekt ins Leben gerufen.

Ursprünglich geht es auf die französische Seite „osmcamera“ zurück. Diese wurde jedoch kurz nach den Anschlägen von Paris am 13. November 2015 vom Netz genommen. Vom Anschlag in Berlin lässt sich Kampa jedoch nicht beeinflussen.