Vor 25 Jahren, es war kurz nach der Wende, eröffnete in Ost-Berlin die erste Videothek, das Negativeland, die sich auf Arthouse-Filme spezialisierte und auf alles, was abseits des Mainstreams lag. Nun schließt der Laden in der Danziger Straße 41, am 18. Februar ist er zum letzten Mal geöffnet. Hans Brake, der 35-jährige Videothekar, spricht über die Gründe für das Ende.

Herr Brake, warum muss das Negativeland schließen?

Das ist ganz einfach: Die Medienkultur, die technischen Gegebenheiten und die Nutzungsgewohnheiten haben sich verändert. Erst gab es Videokassetten im VHS-Format, dann kam die DVD, und heute schaut man Filme eben in der Online-Videothek.

Ihre Videothek hatte den Ruf einer gut sortierten Ausleihe mit hohem Anspruch und seltenen Filmen.

Das stimmt. Wir haben 17.000 Filme in der Ausleihe, viele in Originalsprache und mit dem Schwerpunkt Osteuropa und Russland. Wir hatten die Filme nach Regisseuren und nach Themen geordnet, wie Pippi Langstrumpf, Edgar Allan Poe, Fußball, Terrorismus und Skateboards. In jahrelanger Arbeit haben wir Listen erstellt. Wir konnten jedem Kunden etwas empfehlen.

Woran liegt es dann, dass Sie dennoch schließen müssen?

Am Ende reichte es eben nicht, um die Miete des Ladens, die Nebenkosten und die Mitarbeiter zu bezahlen. Wir haben über all die Jahre einen Haufen interessierter Kunden gehabt und viel Feedback bekommen. Auch wenn uns manche nur verbal auf die Schultern geklopft haben. Am Ende gingen die Besucherzahlen eben zurück.

Sehen Sie sich da in einem allgemeinen Abwärtstrend von Videotheken?

Wir haben nicht auf die anderen Videotheken geachtet. Wir fühlten uns sehr relevant.

Was passiert nun mit all den Filmen?

Die VHS-Kassetten bekommt ein Liebhaber, was mit den DVD geschieht, wissen wir noch nicht.

Wie entstand der Name Negativeland?

Das war eine freie Assoziation. Der Name erinnert an die Filmtechnik, da gibt es Negativ und Positiv. Es ist keine Lebenseinstellung.

Das Interview führte Stefan Strauß.

Negativeland, Danziger Str. 41, bis 18.2.: Fr–Sa 12–24 Uhr, So–Do 14–22 Uhr. www.negativeland.de