Viele Baustellen bei der S-Bahn - Fahrgäste müssen sich auf Behinderungen einstellen

In der Betriebszentrale der S-Bahn an der Halenseestraße ist es sehr still, obwohl nebenan am Dreieck Funkturm der Verkehr tost. Die Disponenten sitzen in der 3. Etage vor Dutzenden Bildschirmen und managen in den abgedunkelten Räumen den kompletten S-Bahn-Verkehr. So ruhig wie am Donnerstag wird es ab der kommenden Woche dort allerdings nicht mehr sein. Denn die Deutsche Bahn beginnt am 18. März gleich auf mehreren Abschnitten große Bauvorhaben. Einige dauern nur wenige Tage, bei anderen müssen sich die Fahrgäste auf wochenlangen Schienenersatzverkehr einstellen.

Der Neubau des Ostkreuzes erfordert es zum Beispiel, dass am Bahnhof Rummelsburg ab August keine Züge mehr halten können – etwa ein Jahr lang. Auf vielen S-Bahnstrecken wird zudem das elektronische Zugsicherungssystem installiert, etwa auf der Stadtbahntrasse zwischen Hauptbahnhof und Westkreuz. Dort soll von Mai bis Oktober an Werktagen vor allem nachts gearbeitet werden, voraussichtlich ab 21 Uhr wird der Zugverkehr eingestellt. Einzige Unterbrechung: die Fußball-Europameisterschaft, damit die Berliner auf die Fanmeile kommen.

370 Millionen Euro wird die Deutsche Bahn in diesem Jahr in der Hauptstadt investieren. Dabei werden Schienen ausgetauscht, Bahnhöfe saniert, neue Aufzüge eingebaut sowie Sicherheitstechnik installiert. „Berlin wächst. Viele neue Bürger ziehen in die Stadt. Für eine gute Infrastruktur bauen wir die Schienenwege aus“, sagt Alexander Kaczmarek, der DB-Konzernbevollmächtigte für Berlin. Er stellte am Donnerstag die Bauprojekte der Bahn vor.

Gleise werden erneuert

Eine der größten Sperrungen erwartet die Berliner auf dem S-Bahn-Ring zwischen den Bahnhöfen Westend und Halensee. Die Ringbahn-Linien S41 und S42 sind dort für einen Monat unterbrochen. Für 3,8 Millionen Euro werden auf rund zwei Kilometer Länge die Gleise sowie die Stromschienen erneuert. Als Ersatz fahren Busse.

Wie auch bei anderen Sperrungen wird die Bahn an die Fahrgäste Flyer mit Umfahrungsmöglichkeiten verteilen und die Wege zu den Bushaltestellen markieren. „Wir werden jeden Tag in Berlin etwa 100 Baustellen haben. Die Berliner sind pfiffig, sie finden ihren Weg und nutzen auch andere Verkehrsmittel“, sagt Kaczmarek.

So wird ab kommenden Freitag auch auf der S7 zwischen Wannsee und Potsdam-Hauptbahnhof gebaut. Die Strecke wurde erst 1992 wieder in Betrieb genommen und muss jetzt saniert werden. Sie ist zwischen Griebnitzsee und Potsdam-Hauptbahnhof vom 18. März bis 27. Juni gesperrt, lediglich im Mai können S-Bahnen vier Wochen lang im 20-Minuten-Takt verkehren. Die Bahn verstärkt dort die Regionalzüge. Gleise werden ebenso zwischen Hoppegarten und Fredersdorf erneuert. Die S5 ist dort unterbrochen, zwischen Fredersdorf und Strausberg fahren Kurzzüge. Auch hier wird der Regionalzugverkehr verstärkt.

Überregionale Bedeutung hat der Ausbau der Strecke zwischen Köpenick und Erkner. Über die Trasse rollen die Fernverkehrszüge Richtung Osten zum Beispiel viermal täglich der Berlin-Warschau-Express. Auch ist die Strecke Teil des Güterverkehrsnetzes. Nun werden dort die Gleise erneuert. Wie Kaczmarek ankündigt, beginnt die Bahn mit der Planung für den neuen Regionalbahnhof Köpenick. Für den Güterverkehr ist ein zusätzliches Gleis vorgesehen. Baubeginn ist nicht vor 2018.

Laut Kaczmarek gibt die Bahn in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern in diesem Jahr zusammen 770 Millionen Euro aus. Dabei wird ab August ein Schwerpunkt der Ausbau der Strecke Berlin-Dresden (Teil der Trasse nach Prag und Wien) sein, auf der Züge künftig mit Tempo 200 unterwegs sein sollen. Die Fahrt in die sächsische Landeshauptstadt soll sich auf 80 Minuten verkürzt. Jedoch ist weiter unklar, wie in Lichtenrade die Dresdner Bahn ausgebaut wird. Senat und Anwohner fordern, dass die Züge in einem Tunnel fahren. Kaczmarek: „Wir warten ab, wie das Bundesverwaltungsgericht entscheidet.“

Busse statt Bahnen auf der S2 und S3

Bereits vor dem Beginn umfassender Bauarbeiten gibt es an diesem Wochenende von Freitag an Schienenersatzverkehr auf den Linien S2 und S3. Grund dafür sind Bauarbeiten an elektronischen Stellwerken, wie die S-Bahn Berlin GmbH mitteilte.

Bis voraussichtlich Montagfrüh fahren deshalb zwischen den Bahnhöfen Buch und Blankenburg auf der S2 Busse statt Bahnen. Auf der S3 gibt es zwischen Wuhlheide und Ostkreuz, Köpenick und Ostkreuz sowie Karlshorst und Nöldnerplatz ebenfalls Schienenersatzverkehr.