Mit Martinshorn und Blaulicht begrüßt die Besatzung der Feuerwache 1300 in Berlin-Prenzlauer Berg traditionell das neue Jahr Berliner Feuerwehr. 
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BerlinAuf Partys gehen, um Mitternacht mit Sekt oder Champagner anstoßen, mit einem krachenden Feuerwerk das neue Jahr begrüßen: Nicht alle Berliner werden dieses Silvester so erleben können. Es sind Polizisten, Feuerwehrleute oder Krankenschwestern, die zum Jahreswechsel ihrer Arbeit nachgehen müssen, damit andere    unbeschwert ins Jahr 2020 hineinfeiern können.

Wie viele Menschen an Silvester und vor allem in der Neujahrsnacht ihren Job leisten, kann man nur schätzen. Laut Statistik sollen es bundesweit etwa sechs Millionen Menschen sein, die ständig an Sonn- und Feiertagen arbeiten. Allein für die Berliner Feuerwehr werden zum Jahreswechsel 1463 Frauen und Männer im Einsatz sein.

Hochbetrieb bei der Feuerwehr

 Einer von ihnen ist Einsatzleiter und Pressesprecher Thomas Kirstein. „Ab 19 Uhr trete ich an Silvester den Dienst im Einsatzstab der Leitstelle an, wo insgesamt sechs Leute die Feuerwehreinsätze koordinieren werden“, sagt der 43-Jährige. „Wir sind auf alle Notfälle im gesamten Stadtgebiet vorbereitet.“ Beim Jahreswechsel 2018/2019 hatte die Feuerwehr 1448 Einsätze, davon 446 bei Bränden, 940 mal war der Rettungsdienst unterwegs. 36 Verletzte mussten versorgt werden, so Kirstein.  

Seinen Dienst wird er am 1. Januar erst gegen Mittag beenden. Denn zuvor muss er noch den Medien über die Silvester-Ereignisse  berichten. Bei der Polizei kommen zusätzlich über 2 000 Beamte zum Dienst.   „Sie werden unter anderem für die Sicherheit der Festmeile am Brandenburger Tor sorgen oder die Böllerverbotszonen rings um die Pallasstraße und am Alexanderplatz kontrollieren, in denen das Zünden von Feuerwerkskörpern untersagt ist“, sagt ein Sprecher.

Krankenschwestern und - Pfleger, Ärzte

Arbeiten statt feiern müssen ebenfalls zahlreiche  Krankenschwestern in den Krankenhäusern der Hauptstadt. So wie Stefanie Kuszak, deren Schicht an Silvester um 22 Uhr auf der Intensivstation der Caritas-Klinik Maria Heimsuchung in Pankow beginnt. „Es ist ganz normal, dass ich auch an solchen Tagen für die Patienten da bin. Mein Mann und mein Sohn kennen das nicht anders, müssen alleine daheim feiern“, sagt die 32-Jährige. Einen kleinen Trost gibt es für sie und ihre Kollegen. „Wenn der Dienst ruhig verlaufen sollte, werden wir um Mitternacht mit alkoholfreiem Sekt anstoßen.“

Im Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) in Marzahn sind zu Silvester vor allem Chirurgen und Pflegepersonal für den Notfall vorbereitet. Elf der 17 OP-Säle sind mit wechselnden Teams besetzt. In der dortigen Rettungsstelle rechnet man mit einem hohen Patientenaufkommen. „Vor allem mit Patienten, die durch Knaller schwer verletzt wurden“, sagt Sprecherin Angela Kijewski. In der Vergangenheit wurden zum Jahreswechsel im Durchschnitt 50 Menschen eingeliefert, die Verletzungen durch Feuerwerkskörper erlitten hatten. „Darunter sind meist acht bis zehn Fälle mit schwersten Amputationsverletzungen beziehungsweise Brandwunden“, sagt Kijewski.

Im Einsatz ist ebenfalls das Schlaganfall-Mobil des UKB, von denen es in Berlin insgesamt zwei Fahrzeuge gibt. Mit dem speziellen Rettungswagen wird Neurologe Artur Adamuszek unterwegs sein. „Ein Schlaganfall kennt keinen Jahreswechsel“, sagt er. „Deswegen sind wir auch in der Silvesternacht im Dienst, um Leben zu retten.“ Ein Großaufgebot an Arbeitskräften schickt auch der öffentliche Nahverkehr ins Rennen.

BVG, Zoo und Tierpark

Allein bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) sind es in der Silvesternacht über 4 200 Mitarbeiter, die dafür sorgen, dass die feiernden Berliner mit der U-, Straßenbahn und dem Bus nach der Party sicher nach Hause kommen können. Denn alle BVG-Linien fahren in der Nacht durchgehend – außer auf der U-Bahnlinie U55. Die Tram-Linien M2, M4, M6 und M10 sind in engen Taktzeiten unterwegs. Wenn andere feiern, wird sogar im Tierpark und im Zoo gearbeitet.  

Selbst Chef Andreas Knieriem ist im Einsatz. „Gemeinsam mit den vielen Mitarbeitern, die auf dem Zoogelände wohnen, halte auch ich die Augen offen und wir werden in dieser Nacht ganz besonders gut auf unsere Tiere achten“, sagt er. Denn der Zoo in der City-West ist vom lauten Krachen der Böller stark betroffen, unter dem Tiere durchaus leiden können. „Wie jeden Abend werde ich mit meinem Hund eine Überwachungsrunde durch den Zoo machen, um sicherzugehen, dass alles in Ordnung ist“, sagt Knieriem.