Berlin - Obduktionen sollen an diesem Mittwoch klären, wie vier Menschen in Berlin-Gatow bei einem Familiendrama ums Leben gekommen sind. Dies sagte ein Polizeisprecher am Morgen. Bisher geht die Polizei davon aus, dass ein 69 Jahre alter Familienvater erst seine drei und sechs Jahre alten Kinder sowie seine 28 Jahre alte Frau und danach sich selbst getötet hat. „Hier hat sich eine Familientragödie abgespielt“, sagte Polizeisprecher Stefan Redlich am Dienstagabend. Als Tatmotiv könnte Überschuldung in Frage kommen.

Baby hat überlebt

Ein knapp einjähriges Mädchen hat die Familientragödie in Berlin-Gatow überlebt. Das Kind sei vor der Tat in der Babyklappe des Waldkrankenhauses in Spandau abgegeben worden, sagte der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, am Mittwoch.

Die Ermittler gehen davon aus, dass die Tat schon mehrere Tage zurückliegt, wann genau, war zunächst unklar. Die Todesursachen stehen noch nicht fest, erschossen wurden die Opfer aber laut Polizei nicht. Wahrscheinlich hat sich der Mann nicht unmittelbar nach der Tat das Leben genommen, sondern noch etliche Zeit vergehen lassen, hieß es.

"Er war sehr hilfsbereit"

Der Mann lebte seit mehreren Jahren in dem Mehrfamilienhaus, in dem zehn Mietparteien wohnen. Er war sehr hilfsbereit, bestätigt ein Nachbar. Der Mann hat früher als Architekt gearbeitet. Als Rentner war er zuletzt für eine Finanzberatungsfirma tätig. Nachbarn sagen, er hätte sich im Immobiliengeschäft versucht. Noch am Samstag hat die gesamte Familie die Einschulung des Sohnes im Garten, der an einen See grenzt, gefeiert. Am Sonntag hat der Nachbar den Mann einsam mit einer Fasche Bier am Steg gesehen. Wahrscheinlich war zu diesem Zeitpunkt die Tat bereits erfolgt.

Nachbarn riefen Feuerwehr

Nachbarn hätten am Dienstagabend kurz nach 20.00 Uhr die Feuerwehr alarmiert, weil der Wagen der Familie schon länger nicht bewegt worden sei und ein Fenster der Wohnung tagelang offen gestanden habe, erklärte der Sprecher. Die Feuerwehrleute brachen daraufhin die Wohnungstür auf und fanden die Leichen. Die Kinder wurden in ihrem Zimmer entdeckt.

In den vergangenen Wochen hatten mehrere Familiendramen bundesweit für Aufsehen gesorgt. Insgesamt wurden dabei in Nordrhein-Westfalen in diesem Monat jetzt schon sieben Kinder getötet. Erst am Montag waren in Neuss die Leichen einer Mutter und ihrer beiden Kinder aufgefunden worden. Der als gewalttätig bekannte Familienvater soll sie erschossen haben. (mit dpa)