Berlin - Am Anfang war das Geld. Oder besser: das nicht mehr so reichlich vorhandene Geld. Es klingt paradox. Weil der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf sparen muss, wird er am Sonntag ein neues Museum eröffnen. Das bisher in einem klassizistischen Bau an der Schloßstraße 69 untergebrachte Bezirksmuseum findet sich nunmehr etwa 300 Meter entfernt in der Villa Oppenheim. Die Fläche für das Museum ist dort sogar fast doppelt so groß wie vorher.

Die 1881-82 errichtete Villa und ihr Vorgängerbauwerk waren ursprünglich Sommersitz zweier bekannter jüdischen Berliner Familien – der Familie Mendelssohn und der Familie Oppenheim. Fast 50 Jahre trug sie den Namen Villa Sorgenfrei. 1911 wurde das Gebäude von der damaligen Stadt Charlottenburg erworben – vor Frankfurt am Main die reichste Stadt Deutschlands. In den vergangenen Jahren wurde der denkmalgeschützte Bau im Neorenaissance-Stil als Museum für Gegenwartskunst genutzt, einige Räume auch von der benachbarten Schule am Schloss.

Viele Bilder erstmals zu sehen

Doch Sparzwang brachte eine Konzentration der bezirklichen Kunstschätze und -häuser mit sich, auch der Abschied von manchen Träumen. Denn das alte Kommandantenhaus, das nach Auszug einer Kita für kommunale Kultur genutzt werden sollte, wurde aufgegeben – dort entsteht jetzt ein Erweiterungsbau für die Sammlung Berggruen. Wohl auch deshalb gab es eine Gegenleistung vom Land: Mit rund 1,6 Millionen Euro, größtenteils aus der Lottostiftung, wurden die neuen Räume für das Bezirksmuseum geschaffen. Innerhalb von zwei Jahren wurde die Villa Oppenheim saniert – und vom Erd- bis zum Dachgeschoss museumstauglich gemacht.

Der Bezirk hatte sich den alten Standort in der Schlossstraße für sein Museum nicht mehr leisten können. Denn das Land Berlin, das die Räume dort gratis zur Verfügung stellte, wollte künftig Miete haben. „30.000 Euro hätten wir pro Jahr zahlen müssen“, sagt Kulturstadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU).

„Mit einem lachenden und einem weinenden Auge“ sei sie im Juli 2011 mit allem Inventar umgezogen, sagt Museumschefin Birgit Jochens. 10 000 Bücher und Zeitschriften waren darunter, mehr als 1.000 Pläne, 50.000 historische Fotos und Hunderte Einzelobjekte.

Längst freut sich Birgit Jochens über den neuen Standort. Denn in der Villa Oppenheim können nicht nur mehrere Ausstellungen gleichzeitig gezeigt werden – derzeit Schauen zu den Familien Oppenheim und Mendelssohn, die Planungen zur Dauerausstellung „Von der Residenz zur City West“ und über Frauen des Widerstands im Gefängnis Kantstraße 79. Erstmals wird auch die reichhaltige und wertvolle Kunstsammlung des Bezirks geschlossen und umfangreich präsentiert, darunter Gemälde von Adolf Menzel und Max Liebermann. „Viele Bilder waren vorher nie zu sehen, sie lagerten in Depots im Rathaus Charlottenburg und am Fehrbelliner Platz“, sagt Jochens. Froh ist sie auch über großzügige Räume für Archiv und Bibliothek (Nutzung bei vorheriger Anmeldung kostenfrei) und einen Extra-Saal für Veranstaltungen, besonders für Kinder.

Villa Oppenheim: Schlossstr. 55. Di–Fr 10–17 Uhr, So 11–17 Uhr. Eintritt frei.