Berlin - Zuerst sah ich nur die schönen Kragen, Hals- und Armbänder, niedliche Tierbroschen, alles fein gehäkelt aus glänzendem Garn, zu kaufen und zu leihen auf Instagram. Als ich erfuhr, wie die zwei Schwestern Olena Maximow und Tatjana Fyl in ihrer Firma „ Domas Crochet Design“ Masche für Masche aus Vintage-Garn Erinnerungen an eine ferne Zeit in der DDR verarbeiten, wollte ich es Genaueres über die Geschichte(n) wissen. 

Auf vielen Garnrollen befinden sich kleine Schildchen, „Mariza Spitzengarn VEB Alwo Altenburg“ und „Kunstseidenwerk Siegfried Rädel Pirna“ steht darauf. Olena und Tatjana verarbeiten hauptsächlich Materialien aus DDR-Zeiten. Dies wurde inspiriert von Olenas Bewunderung für den außergewöhnlichen Stil und die Konzepte des Fotografen Günter Rössler (1926-2012) – der ist eigentlich eher bekannt als Aktfotograf. 

Aber Rössler arbeitete auch viel für die DDR-Zeitschrift „Modische Maschen“ mit Modellvorschlägen zum Selbsthäkeln. Olena stieß darauf, als sie einen Häkelkurs leitete, und war sofort fasziniert von der Anmut der Fotos. Inzwischen hat sie mehr als 50 Ausgaben gesammelt, mit dabei ist die erste von 1963. In der Folge suchten die Schwestern speziell nach Garnen aus DDR-Produktion im Internet. „Was wir dann zum Kauf bekommen, sind auch die Geschichten dazu, es sind wertvolle Erinnerungen“, erzählt Olena gerührt. Wie die von der Dresdnerin, die schreibt: „Ich habe mal sehr viel Decken gestrickt, aber meine Hände schmerzen. Das Garn ist noch gute DDR-Ware, also 30 Jahre alt und war schwer zu bekommen. Ich hoffe, Du machst auch schöne Handarbeit daraus.“

Die zierlichen und romantischen Unikate wirken wie aus der Vergangenheit. Die Schwestern lieben das Alte, „weil dahinter Geschichte steht. Wir häkeln sie in die Kreationen ein, sie soll erhalten bleiben.“ Mit acht Jahren hatten die zwei 32-Jährigen in ihrer damaligen Heimat, der Ukraine, das Häkeln gelernt, bis heute ist es auch in ihrer neuen Heimat Lichtenberg und Steglitz die liebste Freizeitbeschäftigung nach anstrengender Arbeit als Erzieherin und Sozialarbeiterin.

Die Herkunftsstätten der Garne in Thüringen und Sachsen schlossen nach der Wende 1989 mangels Wirtschaftlichkeit. Doch vorbei ist nicht vergessen, eine der Verkäuferinnen schickt diese Botschaft: „Wir freuen uns, dass das Garn jetzt ein neues Zuhause gefunden hat und ihm neues Leben eingehaucht wird.“