Wenn man sich einen Ort vorstellt, an dem Schallplattenliebhaber aus aller Welt Erfüllung finden, dann kommt man nicht unbedingt auf ein Gewerbegebiet in Mariendorf und schon gar nicht auf eine Fertigteilhalle zwischen Fensterbauer und Elektrogroßhändler. CNC Gronemann GmbH steht am Eingang, und dahinter sieht es so aus, wie es das Türschild des Metallbaubetriebs erwarten lässt. Eine Maschinenhalle mit Drehbänken, Bohrmaschinen und Fräsautomaten.

Dann führt Firmenchef Oliver von Zedlitz in einen Nebenraum, in dem es still ist und nicht nach Maschinenöl riecht – in die Klangwellenmanufaktur. Dort stehen Lautsprechersäulen vor einem Ledersofa und dazwischen das Produkt des Hauses. Wer Musik vorzugsweise über das Küchenradio oder bunte Ohrstöpsel konsumiert, wird hier rasch einen Plattenspieler identifizieren.

Der Audio-Gourmet indes dürfte ein respektvolles „Cantano“ raunen, während er an einen auf Rubin gelagerten Graphit-Teller denkt und einen filigranen Tonarm aus Titan. Nicht weniger als einen Zentner wiegt die auf eine polierte Granitplatte montierte Konstruktion, die Schöpfer wie Hi-Fi-Gutachter in der Feststellung eint, dass es zu dem Besten gehört, was einer Schallplatte derzeit passieren kann. Stückpreis: 12.800 Euro.

„Die Platte muss lebendig klingen“

Sieben Jahre hat Oliver von Zedlitz an diesem Gerät experimentiert. Es begann damit, dass sich der Maschinenbauingenieur einen Plattenspieler für 500 Euro kaufte, aber stets unzufrieden blieb. „Jedes Stück klang tot und leer“, sagt von Zedlitz. Zunächst hatte er es mit kleinen Veränderungen versucht, sich dann aber an den Neubau gemacht.

In einem Regal hinter dem Ledersofa liegen noch die Relikte der Experimentierphase. Es sind Plattenteller aus Kupfer, Stahl, Glas und Kunststoff. „Ich habe alles ausprobiert, sogar Marmor“, sagt der 53-Jährige. Am Ende habe er sich für Graphit entschieden. Zedlitz spricht ausführlich von Eigenfrequenzen der Materialien, von Dämpfung, Schwingung und Amplituden. Dann sagt er, worauf es bei einem Plattenspieler letztlich ankomme. „Die Platte muss lebendig klingen.“

Oliver von Zedlitz hat dies offenbar erreicht. Seit fünf Jahren fertigt er den Cantano und macht das doch nur nebenbei. Denn in erster Linie führt Zedlitz einen Metallbaubetrieb, der Präzisionsteile in Kleinstserien herstellt. Seine Kunden kommen vor allem aus der Medizintechnikbranche und bescheren dem Unternehmen einen Millionenumsatz. Auch jedes Einzelteil des Cantano wird mit Abweichungen von höchstens zwei Tausendstelmillimetern gefertigt.

In der Hi-Fi-Szene hat sich das Gerät längst Anerkennung gesichert. Renommierte Hersteller von Abtastsystemen und High-End-Audioanlagen buchen den Plattenspieler aus Mariendorf, um eigene Produkte vorzustellen. Und natürlich gibt es auch Käufer. Zwei bis drei Cantano verkauft von Zedlitz im Jahr.

25.000 Euro für einen Plattenspieler

Die Bestellungen kommen aus aller Welt. Es sind freilich in jedem Fall Liebhaber, die in der Berliner Klangwellenmanufaktur bestellen. Zumal es mit dem Grundpreis von knapp 13.000 Euro nicht getan ist. Der Tonabnehmer kostet extra und kann den Feinhörer schon mal zur Ausgabe von weiteren 12.000 Euro verleiten. „Muss aber nicht sein“, sagt von Zedlitz. Mit 3 000 bis 4 000 Euro sollte man allerdings kalkulieren.

Aber ist eine analoge Schallplatte tatsächlich besser als ihre digitale Konkurrenz? „Wenn man sich auf Messergebnisse verlässt, ist die Schallplatte der Verlierer, aber das Klangerlebnis der Vinylscheibe ist unerreicht“, sagt von Zedlitz. Er habe jedenfalls noch niemanden erlebt, der sich im direkten Vergleich von Schallplatte und CD für die Silberscheibe entschied.

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