Berlin - Kommissarisch – in Vertretung – der Begriff steht in seinem Titel: Johannes Danckert, kommissarischer Vorsitzender der Geschäftsführer beim Berliner Klinik-Konzern Vivantes. In dieser Woche wird er wieder stellvertretend aktiv, wenn die Verhandlungen mit der Gewerkschaft Verdi in die nächste Runde gehen. Gerungen wird um Entlastung des Pflegepersonals und Lohnangleichungen in den Tochterfirmen. Die Kosten dafür müsste der Eigentümer übernehmen, das Land Berlin. Es kann in dem Tarifkonflikt nicht mit am Tisch Platz nehmen. Es kann das nötige Geld nicht zahlen. Den Druck bekommt die Geschäftsführung um Danckert, 43.

Anfang Juni wurde der Manager ins Amt bestellt. Zuvor arbeitete er beim privaten Konzern Helios und bei Vivantes in verschiedenen Funktionen, seit März 2020 als Geschäftsführer Klinikmanagement. An der Spitze des Unternehmens verantwortet er rund 1,4 Milliarden Umsatz und eine halbe Million stationäre Behandlungen im Jahr. Rund 17.000 Mitarbeiter, 6000 Betten, neun Kliniken, 17 Pflegeheime – Vivantes ist der größte kommunale Krankenhausbetrieb Deutschlands. Danckert agiert in einem Spannungsfeld zwischen Management, Regierung, Beschäftigten. Wie ein Bermuda-Dreieck mag es jenen Mitarbeitern vorkommen, die den Respekt für ihre Arbeit verloren gegangen sehen.

Anfang 2013 verschwand der damalige Vorstand Joachim Bovelet vorzeitig aus dem Amt, weil er sich von Finanzsenator Ulrich Nußbaum gegängelt fühlte. Vor Danckerts Berufung, 2020 schon, soll es im Aufsichtsrat Unstimmigkeiten um eine Kandidatin gegeben haben. Regelmäßig streiten Geschäftsführung und Senatoren um Geld und Konzepte. Die Lohnforderungen bei den Vivantes-Töchtern sind ein politisches Erbe, mit dem Danckert nun konfrontiert wird. Die Koalition aus SPD und Linke suchten damals Möglichkeiten zu sparen. Auf Empfehlung einer Unternehmensberatung ließ sie Bereiche wie die Logistik auslagern.

Vivantes: Danckerts Appell an Giffey, Jarasch und Lederer

Am vergangenen Montag hat sich Danckert den streikenden Beschäftigten gestellt. Er stand neben den Berliner Spitzenkräften von SPD, Grünen und Linken, dankte Franziska Giffey, Bettina Jarasch und Klaus Lederer, Vivantes nach der Wahl am 26. September begleiten zu wollen. „Wenn es darum geht, Investitionen in Arbeitsplätze zu tätigen.“ Ein Hilferuf im Bermuda-Dreieck. Stellvertretend auch für das Vivantes-Personal.