Berlin - Im Streit um bessere Arbeitsbedingungen für Pflegepersonal an den Kliniken des landeseigenen Vivantes-Konzerns hat die Arbeitgeberseite die Verhandlungen bis Montag unterbrochen. Die Gewerkschaft mahnt dagegen eine schnelle Lösung des Konflikts an. Drei Wochen dauert nun schon der unbefristete Streik. „Doch die Vivantes-Geschäftsführung schein es weiterhin nicht eilig zu haben“, sagte Meike Jäger, Verhandlungsführerin von Verdi.

Bei den Tochterunternehmen des Konzerns werden die Gespräche über Lohnangleichung an das Niveau der Stammbelegschaft unter Moderation des ehemaligen Brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD) fortgesetzt. An der Charité wurde am Freitag weiter um eine Lösung gerungen. Dort war als letzter, jedoch entscheidender Punkt die Mindestbesetzung einzelner Stationen strittig. Einigkeit besteht beim Freizeitausgleich. Für fünf Schichten in Unterbesetzung soll es einen freien Tag geben. Auszubildende sind in die tarifliche Lösung einbezogen.

Auch in den Verhandlungen um einen Tarifvertrag Entlastung bei Vivantes ist die Sollstärke auf Stationen die größte Hürde. „Die von der Arbeitgeberseite vorgeschlagene Personalbesetzung würde den Beschäftigten in etlichen Bereichen überhaupt nichts bringen“, sagte Meike Jäger. „In einigen Bereichen wären sie sogar eine Verschlechterung.“ Ein Personalschlüssel von einer Pflegekraft für zehn Patienten auf Normalstationen tagsüber und nur eine Pflegekraft für 20 Patienten in der Nacht seien inakzeptabel.

Vivantes: Verdi-Forderungen nicht realisierbar

Das Management von Vivantes rechnet dagegen vor, dass die Forderungen der Gewerkschaft nicht realisierbar seien: Es müssten 2800 Fachkräfte mehr eingestellt oder 1600 Betten abgemeldet werden. „Diese Zahl an Fachkräften ist derzeit nicht verfügbar“, schreibt Vivantes in einer Mitteilung vom Freitag. Die Geschäftsführung hatte zwischenzeitlich angeboten, die Leistungen an das vorhandene Personal anzupassen, was eine Verringerung des Versorgungsangebots bedeutet hätte. Verdi stand diesem Modell nicht grundlegend ablehnend gegenüber.

Die Gewerkschaft fordert erneut die Politik auf, im Klinikstreik ihrer Verantwortung gerecht zu werden. Die stellvertretende Landesbezirksleiterin Susanne Feldkötter sagte: „Der Senat ist gefragt, in den landeseigenen Klinikunternehmen ordnungspolitisch einzugreifen.“ Klare Zusagen für die Finanzierung seien nun gefragt „und eine klare Ansage an das Klinikmanagement, nicht weiter auf Zeit zu spielen und die Verhandlungen sehr schnell zu einem für Beschäftigte und Patienten positiven Ergebnis zu bringen“.