BerlinAls Pierre Granoux im Dezember 2000 in den Prenzlauer Berg zog, hatte Berlin noch einen schlechten Ruf. „Niemand wollte damals in die Stadt. In den Zeitungen stand viel über Neonazis“, erzählt der südfranzösische Künstler. Es war eine andere Welt. Granoux hat sie nicht vergessen, die ersten kalten Tage in der neuen Heimat und die grauen Wolken. Im Hauseingang der unsanierten Mietskaserne stolperte er über Drogenabhängige aus Osteuropa. Und doch: Die Miete seiner Wohnung war unschlagbar günstig. Geheizt wurde mit dem Kachelofen. Überall stank es nach Kohl und Kohle. Ausgerechnet diesen Geruch vermisst er heute. Genauso wie die Zeit, in der noch alles offen war.

Nur wenige Monate später zog Cécile Rose „der Liebe wegen“ in den Osten Berlins. „Pankow war damals noch très DDR“, sagt die Pariser Chansonsängerin und Schauspielerin. Frischen Fisch oder Baguette habe sie in ihrem Kiez vergebens gesucht. Trist seien viele Straßen gewesen und der Umgangston eher rüde. Aber ihr neues Leben habe auch viele Vorteile gehabt. Der Alltag mit Kindern sei im Vergleich zu Paris weniger stressig gewesen, und überhaupt: Alles war so billig. „Fast wie geschenkt“, erinnert sich die Mutter von vier Söhnen. Eine 145 Quadratmeter große Wohnung hätte sich die Familie in Paris niemals leisten können. Mit der Musik von Piaf, Moustaki oder Aznavour, ihren Lieblingsinterpreten, hatte sie sich zudem ein Stück Heimat mit nach Berlin gebracht.

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