Berlin - Es gibt Dinge, die sinnvoll sind, und Dinge, die völlig sinnlos sind. Der neue Geschirrspüler ist sinnvoll, obwohl das Abspülen per Hand nicht eine solch große Herausforderung ist, wie eine Arbeitshose per Hand zu waschen.

Eine Sache am neuen Geschirrspüler ist aber sehr ärgerlich: der Beipackzettel. Schon bei Tabletten ist eine solche Gebrauchsanweisung so groß, dass ganze U-Bahn-Fahrten mit der Lektüre verbracht werden können. Bei der Spülmaschine ist die Bedienungsanleitung kein Zettel, sondern ein Heft von 62 Seiten. Nicht nur das: Das Heft liegt in acht Sprachen bei.

Das Neue Testament in meinem Regal hat 591 Seiten, die Hefte bringen es auf 471 Seiten – und selbst ich, als gelernter Atheist, lese zehnmal lieber in der Bibel als in einer Bedienungsanleitung auf Norwegisch.

Die Hefte sind reine Papierverschwendung. Es sind auch nicht die gängigen Weltsprachen, sondern nordische Sprachen und Polnisch. Warum wird beim Kauf im Laden oder im Internet nicht gefragt, welche Anleitung die Käufer haben wollen?

Die Bundesbürger verbrauchen pro Jahr 20 Millionen Tonnen Papier und Pappe. Nur ein Teil davon sind informative Zeitungen oder gute Bücher oder Toilettenpapier. Die Hälfte sind Verpackungen oder eben sieben sinnlose Hefte pro Spülmaschine.

Deutschland sieht sich weltweit gern als Öko-Vorreiter, gehört aber zu den größten Verschwendern von Papier. Es fallen fast 230 Kilo pro Kopf und Jahr an. Das entspricht einem 600-seitigen Taschenbuch – wohlgemerkt täglich. So viel wiegt meine Ausgabe von „Der Schatten des Windes“ von Carlos Ruiz Zafón – oder eben die Hefte.

Das eine ist ein Roman, der bei mir ein Leben lang im Regal steht. Von den acht Heften wandern sieben ungelesen in den Müll. Der einzige Nutzen wäre, dass ich lernen kann, dass Spülmaschine auf Dänisch Opvaskemaskine heißt und auf Finnisch Astianperukone. Oder ich kann mich fragen, warum das schwedische Heft 55 Seiten umfasst, das polnische für die Zymwarka aber 62. Schwedisch ist scheinbar nicht so ausufernd wie die klangvolle Sprache unserer Nachbarn. All das ist nutzloses Wissen auf nutzlos verschicktem Papier.

Die Spülmaschine aber funktioniert gut. Nun müssen die Hersteller nur noch zur Vernunft kommen. Denn pro Jahr werden bundesweit 2.750.000 Geschirrspüler verkauft. Inklusive 1,3 Millionen Kilo sinnloser Beipackzettel.