Beim Sender hat man die Kritik offenbar verstanden: So kam die Freitagshow deutlich besser abgemischt über den Fernseher. Alles wirkte straffer, konzentrierter. Und die Juroren trauten sich zu sagen, wenn sie einen Auftritt nicht gut fanden. Und nicht nur Blödsinn abzusondern, wie etwa Ex-Reamonn-Sänger Rea Garvey, der mit seinem „un-fucking-fassbar“ den Spruch zur Sendung geprägt hat.

Ausschließlich Lob fuhr Ivy Quainoo aus Berlin ein. Die 19-Jährige qualifizierte sich am Donnerstag für die nächste Runde. Ihr folgten aus der Hauptstadt Mic Donet – der junge Mann heißt bürgerlich Michael Schuppach und ist ein gestandener Soulsänger – und am Freitag Benny Fiedler, ein junger Bengel mit großer Brille, der etwas überraschend reüssierte. Dazu kommt mit Showfavorit Michael Schulte eine Art Beute-Berliner. Schließlich ist Stiefbruder Marc Bezirksstadtrat von Charlottenburg-Wilmersdorf.

Anstrengen und besser werden

In Schultes Bezirk ist Ivy Quainoo aufgewachsen. Am Schiller-Gymnasium am Ernst-Reuter-Platz hat sie in Bands gesungen und im Sommer Abitur gemacht. An einer Bühnenkunstschule in Kreuzberg nimmt die Deutsch-Ghanaerin zweimal pro Woche Gesangsunterricht.

Kurz nach Ende der Show am Donnerstag zeigte sie sich gefasst. Natürlich freue sie sich, aber sie flippe jetzt nicht aus. Ob sie glaube, die Show am Ende gewinnen zu können? „Wahrscheinlich nicht“, sagt sie. Aber sie wolle sich anstrengen, besser werden. Ihr Berufsziel ist klar: „Ich will Musikerin werden.“ Die Chancen dazu sind gestiegen. Sie gehört bei „Voice“ zum Team der Berliner Country-Coverband The BossHoss. Deren Management hat die 19-Jährige unter ihre Fittiche genommen. Bei der Auswahl ihres Livesongs („Toxic“ von Britney Spears) und dessen Arrangement bewies man ein gutes Händchen.

Nun arbeiten Ivy und ihre 15 verbliebenen Mitstreiter auf den nächsten Freitag hin, wenn in Adlershof die nächste Runde ansteht. Für Studio Berlin, Tochter des Mutterunternehmens Studio Hamburg, hat die Show sogar „elementare Bedeutung“, wie Geschäftsführer Mike Krüger sagt. Seit dem Weggang von Sat.1 aus Berlin nach München Anfang 2009 litt Adlershof unter geringer Auslastung. Jetzt sind Hunderte Mitarbeiter mehrere Monate lang beschäftigt. „Jetzt können wir zeigen, was wir können“, sagt Krüger. Zeigen, was mehr als 140 Millionen Euro auszurichten vermögen, die Studio Hamburg seit 1994 in die mittlerweile zehn Studios in Adlershof investiert hat. Über die Einschaltquoten von „Voice of Germany“ (im Laufe der Wochen schwanken sie zwischen für ProSieben/Sat.1 sehr guten Werten von 23 bis 30 Prozent in der so berühmten „werberelevanten Gruppe 14- bis 49-Jähriger“) hätten die vorherigen Nutzer des Standortes aber wohl nur den Kopf geschüttelt: Dort startete 1956 der Deutsche Fernsehfunk (DFF) der DDR sein regelmäßiges Programm. Dessen Quoten wurden zwar nicht veröffentlicht, aber offiziell hätten immer 100 Prozent rauskommen müssen.

Voice of Germany: 3. Liveshow, 13. Januar, 20.15 Uhr, Sat.1. Offiziell sind alle Shows bis zum Finale ausverkauft. Wer auf Restkarten (16, ermäßigt 12 Euro) hofft, kann sich unter www.thevoiceofgermanytickets.de in eine Liste eintragen.