Die Zukunft des Tempelhofer Feldes wird voraussichtlich per Volksentscheid geklärt. Die „Demokratische Initiative 100 Prozent Tempelhofer Feld“ hat am Montag bei der Senatsverwaltung für Inneres die Durchführung eines Volksbegehrens über den Erhalt des Tempelhofer Feldes beantragt. Das teilte der Ansprechpartner der Initiative, Felix Herzog, mit.

Ziel der Initiative ist es, das riesige Areal per Gesetz vor Eingriffen zu schützen und eine Randbebauung zu verhindern, wie sie vom Senat geplant wird. Um einen Volksentscheid über den Gesetzentwurf zu erwirken, muss die Initiative zunächst innerhalb von vier Monaten rund 174 000 gültige Unterschriften von Wahlberechtigten in Berlin sammeln. Aus Sicht der Bürger ist das zu schaffen. „Da machen wir uns keine Sorgen“, sagte Felix Herzog. Die Initiative will in der vorgegebenen Frist sogar 280 000 Unterschriften sammeln. Start der Unterschriftenaktion soll am 14. September an den Eingängen zum Tempelhofer Feld sein. Kommen die 174 000 gültigen Unterschriften zusammen, soll im nächsten Jahr am 25. Mai, dem Tag der Europawahl, der Volksentscheid stattfinden, sagte Herzog.

Die erste Stufe des Volksbegehrens hat die Initiative bereits erfolgreich absolviert. Sie sammelte im Frühjahr innerhalb weniger Wochen 28 000 gültige Unterschriften dafür, das Areal so zu belassen wie es ist. Das Abgeordnetenhaus hatte danach zunächst Zeit, den Gesetzentwurf der Bürger anzunehmen. Nachdem das Parlament dies nicht getan hat, geht die Initiative nun den nächsten Schritt, der einen Volksentscheid zum Ziel hat. Sollte sich die Initiative durchsetzen, dürfte die geplante Randbebauung des Tempelhofer Feldes nicht realisiert werden.

Nach den Senatsplänen soll in der Mitte des Areals ein großer Park entstehen. An der Außenseite ist der Bau von rund 4 700 Wohnungen geplant. Außerdem soll die Zentral- und Landesbibliothek einen Neubau erhalten. Auch neue Gewerbefläche sind vorgesehen.

Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) verteidigte am Montag seine Planung. „Der ehemalige Flughafen Tempelhof, die heutige Tempelhofer Freiheit, soll mit der riesigen Freifläche auch zukünftig ein Ort für alle Menschen bleiben, die dort ihre Freizeit verbringen möchten“, sagte er. „Aber er soll an den Rändern auch ein Ort werden, an dem man wohnen kann.“ Auf einer 340 Hektar großen Freifläche müsse es möglich sein, Flächen für Erholung, Sport, Bildung und innerstädtisches Wohnen zu nutzen. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) unterstützt Müller. Der Stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer Christian Wiesenhütter sagte: „Um den prognostizierten Bedarf von mehr als 10 000 Wohnungen in Berlin pro Jahr zu decken, müssen wichtige innerstädtische und gut angebundene Flächen schnell mobilisiert werden.“ Dazu gehörten „natürlich auch die Ränder des Tempelhofer Feldes“.

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Ähnlich äußerte sich der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU). „In der wichtigen Diskussion um die weitere Entwicklung des Tempelhofer Feldes werden sich die besseren Argumente durchsetzen“, sagte BBU-Chefin Maren Kern. „Das kann aus unserer Sicht nur Neubau sein, den Berlin dringend braucht.“ Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) erklärte hingegen, er unterstütze das Volksbegehren. „Das Tempelhofer Feld ist als wertvolle Naturlandschaft, vielgenutzter Erholungsraum und in seiner Funktion für das Stadtklima eines der grünen Juwele Berlins“, sagte Bund-Landesgeschäftsführer Tilmann Heuser.