Das Motto lautet: Wir wollen alles, und zwar sofort. Radfahrer wollen in Berlin ein Volksbegehren starten, um mehr Platz im Verkehr zu erzwingen. „Es passiert schon viel, doch zu wenig und zu langsam angesichts des steigenden Radverkehrs“, heißt es in dem Aufruf der Initiatoren. „Wir fordern sicheres und komfortables Radfahren jetzt, damit Berlin sich dreht.“

In den nächsten Monaten soll der Entwurf eines Gesetzes erstellt werden, im April und Mai sollen für den Antrag auf ein Volksbegehren 20.000 Unterschriften gesammelt werden – als erster Schritt zu einem Volksentscheid. Gefordert werden zusätzlich 200 Kilometer Fahrradstraßen, auf denen Radfahrer Vorfahrt haben. Auf allen Hauptverkehrsstraßen in Berlin müsse es Radspuren oder asphaltierte Radwege geben, jeweils mindestens zwei Meter breit.

Berliner Landesverband gibt sich zurückhaltend

Bis 2020 sollen die 50 gefährlichsten Kreuzungen sicherer gemacht, an je 200 Knotenpunkten sollen Radfurten oder rote Aufstellbereiche markiert werden. Ebenfalls in vier Jahren soll es 200.000 Stellplätze, 100 Kilometer Radschnellwege und 50 Grüne Wellen geben. Jede Polizeidirektion müsse eine Fahrradstaffel haben, die „Tempolimits durchsetzen und dem Zuparken ein Ende setzen soll“. Die Verwaltung müsse mehr Stellen bekommen und ein Jahresbudget von 2,5 Millionen Euro pro Jahr, um fürs Radfahren zu werben.

Zu den Initiatoren gehören Heinrich Strößenreuther von der Angentur für clevere Städte, der Verkehrsclub Deutschland und die Stadtteilgruppe Friedrichshain-Kreuzberg des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Der Vorstand des Berliner Landesverbands äußerte sich zurückhaltend. Er begrüße „grundsätzlich Ideen, Visionen und Initiativen, die der Förderung des Radverkehrs dienen. Einige Vorschläge des geplanten Volksentscheides decken sich mit ADFC-Forderungen.“

Doch unterm Strich gehe das „Umsetzungskonzept“, mit dem der ADFC den Senat bereits zu mehr Aktivitäten aufgefordert hat, über die Vorschläge hinaus. „Ein Volksbegehren kann auch scheitern“, hieß es. Für einen Erfolg wären 172 000 Unterschriften nötig. Es wäre besser gewesen, erst Bündnispartner zu suchen, sagte Tilmann Heuser vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). „Für ein Volksbegehren benötigt man einen sehr breiten Konsens.“