Das Tempelhofer Feld muss nach Ansicht des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) nicht mit Wohnungen bebaut werden, weil es genügend andere freie Flächen in Berlin gibt. BUND-Landesgeschäftsführer Tilmann Heuser stellte am Mittwoch eine Übersicht über Wohnbaupotenziale vor, nach der rund 12.000 Wohnungen an Standorten von einstöckigen Discountern, auf Parkplätzen, Brachen, dem Flughafen Tegel und auf zu verkleinernden Straßenflächen entstehen könnten.

Volksentscheid am 25. Mai

„Berlins Schicksal bei der Versorgung der wachsenden Einwohnerzahl mit Wohnraum hängt nicht vom Tempelhofer Feld, sondern von einer intelligenten und nachhaltigen Wohnungspolitik ab“, sagte Heuser. Mehrere zehntausend neue Wohnungen ließen sich durch eine effizientere Nutzung bestehender Gebäude, etwa durch Dachgeschossausbau, errichten. Eine weitere Möglichkeit für die bessere Nutzung vorhandenen Wohnraums bestehe darin, ältere Menschen beim Wechsel in kleinere seniorengerechte Wohnungen zu unterstützen.

Nach dem Stadtentwicklungsplan Wohnen gibt es in Berlin Flächen zum Bau von rund 220.000 Wohnungen. Rund 4700 Wohnungen sollen am Rand des stillgelegten Flughafens Tempelhof entstehen. Am kommenden Sonntag dürfen die Berliner bei einem Volksentscheid darüber befinden, ob die Baupläne in Tempelhof realisiert werden oder nicht. Der BUND rief die Berliner dazu auf, das Gesetz der Bürgerinitiative „100 Prozent Tempelhofer Feld“ zu unterstützen, die sich gegen die Bebauung wendet. Die überwiegende Zahl großer Flächen sei für eine Bebauung besser geeignet als das Tempelhofer Feld.

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung verwies darauf, dass das Tempelhofer Feld im Unterschied zu vielen anderen Arealen in Landesbesitz sei. Die Flächen seien notwendig, damit dort landeseigene Wohnungen gebaut werden. Man könne nicht die einen gegen die anderen Bauflächen ausspielen.

Neue Konzepte im Sommer

Unabhängig vom Ausgang des Volksentscheids zum Tempelhofer Feld am Sonntag hat das Land Berlin Architekturbüros mit der Erarbeitung städtebaulicher Konzepte beauftragt. Sechs Büros sollen für das geplante Wohngebiet am Tempelhofer Damm mit 1700 Wohnungen Gestaltungsvorschläge erarbeiten, wie „Der Tagesspiegel“ (Donnerstag) berichtet.

Die Ergebnisse sollen den Bürgern im Sommer vorgestellt werden, sofern die Bebauung am Sonntag nicht grundsätzlich abgelehnt wird. Anschließend würde dann ein Architektenwettbewerb folgen. (mit dpa)