Volksfest in Brandenburg: Werder feiert 140. Baumblütenfest mit Rummel und Entschleunigung

Werder - Das Baumblütenfest in Werder an der Havel ist ein Fest mit großer Tradition: Es ist zwar nur eines der bundesweit etwa 9900 Volksfeste, aber mit etwa 200.000 Besuchern ist es immerhin das größte Volksfest in Ostdeutschland. In diesem Jahr steht zudem noch ein Jubiläum an: Zum 140. Mal wird zum großen Familien-Volksfest geladen. Als solches will die Stadt die Veranstaltung verstanden wissen, obwohl es für viele auch etwas anderes ist: das größte Obstweingelage des Jahres und der größte Rummel im Lande Brandenburg.

Dieses Mal beginnt das Fest am Sonnabend um 13 Uhr mit einem Festumzug von 70 Vereinen. Am Vorabend ist bereits der inoffizielle Start: beim Blütenball singt Stargast Howard Carpendale und die neue Blütenkönigin wird gekürt. Das Fest endet dann am Sonntag, dem 5. Mai, um 22 Uhr mit einem Höhenfeuerwerk. Traditionell liegt in der Zeit des zehntägigen Festes der Feiertag des 1. Mai. Die Veranstalter versprechen sich dadurch mehr Besucher: Weil der Feiertag auf einen sonst weniger besuchten Wochentag fällt.

Mit den Jahren hat sich etwas geändert in Werder: Die Blütenpracht der Obstbäume, die mit dem Fest eigentlich gefeiert werden soll, ist schon ziemlich vorüber. So ist das inzwischen mindestens jedes zweite Jahr. Experten sagen, dass durch den Klimawandel die Baumblüte in den hiesigen Breiten etwa zwei Wochen früher stattfindet als noch vor 30 Jahren. „Trotzdem gibt es noch reichlich Blüten in Werder“, sagt Stadtsprecher Henry Klix. „Die Sauerkirsche blüht immer noch sehr schön, auch die Äpfel und die Birnen; es gibt sehr viel Zierobststräucher und der Flieder steht in allerschönster Blüte.“

Höfe sind durch einen Panoramaweg miteinander verbunden

Veranstalter Rainer Wohlthat sagt, dass etwa 340 Händler auf der Festmeile vertreten sind, 70 davon kämen aus der Region. Es soll diesmal auch Neuerungen bei dem Fest geben: Erstmals sind zwei Stände mit Craft-Bieren dabei, also dem neuesten Trend der kleinen Braumanufakturen. Und es soll noch ein anderer Zeitgeisttrend bedient werden: Neben unendlich vielen Bratwurst-Grillständen gibt es erstmals einen veganen Imbiss.

Das Musikprogramm bedient vor allem den klassischen Massengeschmack von Schlager, Pop und Radiorock. Etwa 70 Bands und Diskotheken bieten Musik auf den sechs Bühnen. Der legendäre Frank Zander singt gleich zwei Mal: am 2. Mai und am 5. Mai auf der Bismarckhöhe. Auf dem Rummel stehen die Fahrgeschäfte von 60 Schaustellern.

Die Stadt ist quasi das trubelige oder auch lärmende Herz des Festes. Doch es gibt auch einen zweiten Schauplatz – mit Vogelgezwitscher und Entschleunigung: In zwölf Gärten und Höfen rings um die Stadt bewirten die Obstbauern die Gäste. Die Höfe sind durch einen Panoramaweg verbunden. „Im vergangenen Jahr waren dort wahre Fahrradkarawanen unterwegs“, sagt Stadtsprecher Klix. „Das Baumblütenfest entwickelt sich immer mehr zum Fahrradereignis.“

Großaufgebot der Polizei

Die Polizei wird wieder mit einem Großaufgebot vor Ort sein: Zum einen, um all die Angetrunkenen in den Sonderzügen zu beruhigen. zum anderen, um gegen Schläger und Drogendealer vorzugehen.

Im Vorjahr zählte die Polizei beim Fest 375 Straftaten, im Jahr davor waren es nur 270. Den Anstieg führt die Polizei aber vor allem auf das schöne Wetter und die damit gestiegene Feierlaune zurück. Bedenklich war der Anstieg von Drogendelikten: 2016 waren es 59 Drogendelikte, 2018 dann 168.

Da auch sehr viele Jugendliche sturzbetrunken waren, die Polizei aber nur eingreift, wenn jemand Straftaten begeht, schickt die Stadt nun sogenannte Jugendschutzteams los. Das sind erfahrene Sozialarbeiter, die die jungen Leute präventiv und altersgerecht ansprechen sollen, die deeskalierend wirken sollen und so verhindern, dass zu viele „Weinleichen“ in den Zelten der Sanitäter behandelt werden müssen.