Volkshochschulstreit beigelegt: Vier Tage Hängepartie

Es hat zwar 96 Stunden gedauert: Aber seit Montagnachmittag hängen die am Freitag abgenommenen Akte wieder in der Volkshochschule Marzahn-Hellersdorf. Die sechs Bilder befinden sich nun da, wo sie von Anfang an präsentiert werden sollten. Am Wochenende waren Empörung und Unverständnis auf die Volkshochschule eingeprasselt, nachdem die Werke mit Ansichten nackter Frauen aus Rücksicht auf die Gefühle von Musliminnen abgenommen worden waren.

„Die Ausstellung von Frau Schüffel ist im ersten Stock. Hier werden auch fast alle Deutschkurse für Migrantinnen und Migranten gegeben“, sagt Gotthard Hänisch, stellvertretender Leiter der Einrichtung. Seine Befürchtung und die seines Teams sei gewesen, dass Teilnehmer sich wegen der Bilder unwohl fühlen könnten und nicht mehr zum Kurs kommen würden.

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Was von Seiten der Einrichtung offenbar höflich gemeint war, endete im öffentlichen Shitstorm. Die Freiheit der Kunst versus interkulturelles Verständnis. Auch die Frauen- und Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD) kommentierte die Aktion bei Facebook als „falsch gemeinte Integration“. Ihr Sprecher Matthias Gille sagt dazu: „Es geht um Respekt auf beiden Seiten. Das sind falsch verstandene Bemühungen um interkulturelle Integration. “ Die Alternative zum Entfernen der Werke wäre gewesen, die Bilder nicht abzunehmen. Dazu habe es nämlich keinen Grund gegeben. „Wenn es eine Diskussion dazu geben soll, dann eine künstlerische, keine moralische“, sagt Gille.

Auch Juliane Witt (Die Linke), Stadträtin für Familie und Kultur, hat am Wochenende mehr als 300 Nachrichten bekommen. „Die reichten von übelsten Beschimpfungen bis hin zu merkwürdigen Hinweisen, dass sich der Bezirk vom Islam lösen müsse“, sagt die 51-Jährige. „Uns wurde sogar unterstellt, dass wir vor dem Islam einknicken.“ Am Sonntag hat sie sich dann mit der Künstlerin Susanne Schüffel getroffen. Ohne einen Vertreter der Volkshochschule. Schnell seien sich die beiden Frauen einig gewesen: Die Bilder sollten in der Volkshochschule wieder aufgehängt werden. An den dafür vorgesehenen Plätzen. Witt hängte die sechs Akte am Montagnachmittag persönlich an die Wand.

Künstlerin reagiert betroffen

Das Team der Volkshochschule habe über das Abnehmen der Bilder selbst entschieden, sagt Stadträtin Witt. Am Montag habe sie sich dann mit Vize-Chef Hänisch verständigt. Die Künstlerin Susanne Schüffel reagierte nur mit einem knappen Statement darauf, dass ihre Bilder doch zu sehen sind. Es habe sie tief getroffen, in welche Richtung Flüchtlingsgegner diese Diskussion gelenkt hätten.