„Volkswohnungen“ in Berlin-Lichtenberg: Investor will Unterkünfte für Geringverdiener bauen

Berlin - Jahrelang hieß es, private Investoren könnten keine preiswerten Mietwohnungen bauen. Die landeseigenen Unternehmen und Genossenschaften seien die Einzigen, die das vielleicht noch schaffen. Doch jetzt kündigt ein privates Unternehmen den Bau von Wohnungen für Menschen mit geringen und normalen Einkommen an: die Firma Belle Epoque.

„Volkswohnungen“ nennt sie ihre Unterkünfte. Mehr als 800 davon will das Unternehmen, das nicht unumstritten ist, an der Rhinstraße in Lichtenberg errichten. Sie sollen für eine Kaltmiete ab 7,50 Euro pro Quadratmeter angeboten werden.

Damit liegt Belle Epoque weit unter den derzeit üblichen Mietpreisen im freifinanzierten Neubau. Nach Angaben des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen sind die Baukosten mittlerweile so hoch, dass im Neubau Mieten von knapp 12 Euro je Quadratmeter verlangt werden müssen, um die Ausgaben wieder einzuspielen.

Skepsis beim Mieterverein

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung betrachtet die Pläne für den Bau preisgünstiger „Volkswohnungen“ mit wohlwollendem Interesse. Es sei zu begrüßen, wenn kleine und bezahlbare Wohnungen entstünden, sagte Behördensprecherin Petra Rohland. Der Berliner Mieterverein (BMV) zeigt sich dagegen zurückhaltend: „Die Ankündigungen der Belle Epoque, 800 Volkswohnungen zu günstigen Mieten in Lichtenberg bauen zu wollen, bewerten wir noch mit Vorsicht“, sagte Wibke Werner, die stellvertretende Vereinsgeschäftsführerin.

„Uns ist die Belle Epoque als Vermieter bekannt geworden, der 2007 mit rüden Entmietungsmethoden Mieter in der Friedrichshaller Straße und in der Oeynhauser Straße in Schmargendorf zum Auszug gedrängt hatte.“ Aber vielleicht sei die Geschäftsführung mittlerweile geläutert und habe sich der erforderlichen Wohnraumversorgung zu günstigen Mieten verschrieben. Dann wäre der Neubau zu begrüßen.

Belle Epoque weist die Vorwürfe als haltlos zurück. Derartige Methoden gehörten weder damals noch heute zur Praxis des Unternehmens. Den Bedarf an Wohnungen, die zu Konditionen wie die „Volkswohnungen“ vermietet werden, schätzt Belle Epoque in Berlin auf 15.000 bis 20.000 pro Jahr. Wie die neuen Wohnungen aussehen könnten, zeigt ein Entwurf des Berliner Architekturbüros Kühnel + Kaminski (K+K). Die Architekten haben am Mittwochabend einen Wettbewerb zum Bau der mehr als 800 Wohnungen an der Rhinstraße gewonnen.

Kleine Wohnungen

Klein und kompakt sollen die Wohnungen sein. Etwa 70 Prozent werden mit zwei- und zweieinhalb Zimmern geplant. Deren Größe reicht von 40 bis zu 45 Quadratmetern. Viel Platz für große Möbelstücke gibt es nicht.

Immerhin: Große Fenster sollen die Raumwirkungen vergrößern. Und alle Wohnungen haben einen Balkon oder eine Loggia. Der Entwurf sieht den Bau mehrerer, 20 bis 25 Meter hoher Wohnhäuser und eines 45 Meter hohen Turmhauses vor. Sie gruppieren sich um einen Stadtplatz mit Wasserbecken.

Kosten wollen die Architekten beim Bau sparen, indem geeignete Bauteile vorgefertigt werden. Auf der Baustelle müssen die Elemente dann nur noch montiert werden. Bäder lassen sich beispielsweise auf diese Art einbauen, sagte Architekt Max Kaminski. Er hat mit seinem Bürokollegen Horst Kühnel bereits mehrere Forschungsprojekte zum modularen und kostensparenden Bauen begleitet. Das Projekt an der Rhinstraße „wäre ein Referenzprojekt“, sagt Kaminski. Vorausgesetzt es wird realisiert.