Es war ein bisschen wie bei der Verkündung der Wahlergebnisse: Nichts war vorab durchgesickert, und einige Mitarbeiter des Statistischen Landesamtes Berlin-Brandenburg zählten sogar die Sekunden herunter. Dann, Punkt 11 Uhr, war es so weit: Bundesweit gleichzeitig wurden die Ergebnisse aus dem Zensus 2011 bekannt gegeben, aus der bislang größten Volksbefragung der Deutschen.

Der erste Satz war wohl überall ähnlich. Für Berlin und Brandenburg sagte ihn Amtspräsidentin Ulrike Rockmann: „In beiden Ländern leben weniger Menschen als angenommen.“ Berlin habe am Stichtag 7. Mai 2011 nur 3.292.365 Einwohner gehabt – das seien fast 200 000 weniger als angenommen. Verglichen mit den letzten verlässlichen Daten aus dem Jahr 1991 entspricht das einem Bevölkerungsrückgang um etwa 4,5 Prozent – immerhin 153 666 Personen. Am deutlichsten war der Rückgang in der Gruppe der 6- bis 15-Jährigen, ihr Anteil sank um 26 Prozent. Die Gruppe der 65- bis unter 75-Jährigen wiederum verzeichnete einen Anstieg um 67 Prozent. Diese Zahlen verdeutlichen eindrucksvoll, was Demografen seit Jahren sagen: Berlin altert.

Pankow wächst, Marzahn verliert

Ähnlich verhält es sich im Land Brandenburg: Dort sank die Zahl der Einwohner seit 1991 um 3,8 Prozent auf 2 455 780. Eisenhüttenstadt zum Beispiel verlor 11,1 Prozent seiner Einwohner, in Cottbus sank die Einwohnerzahl unter 100 000. Was lange befürchtet wurde, ist damit amtlich: Die „Lausitz-Metropole“ verliert ihren Status als Großstadt. Wie in Berlin stieg auch im Land Brandenburg der Anteil der Älteren deutlich an.

Verglichen mit Daten aus dem Jahr 1991 hat sich viel verändert in der Hauptstadt. Mit 17 Prozent mehr Einwohnern verzeichnete Pankow den höchsten Zuwachs, Marzahn-Hellersdorf verlor 16,4 Prozent. Verändert hat sich auch der Ausländeranteil: Er stieg von 9,9 Prozent auf nun 11,3. Die Zahl jener Berliner, die ausländische Wurzeln haben, liegt deutlich höher: 23,9 Prozent der Berliner haben einen Migrationshintergrund. Im Land Brandenburg sind die Werte deutlich niedriger: Der Ausländeranteil liegt nur bei 1,7 Prozent.

Der Zensus 2011 legte auch Zahlen zur Erwerbstätigkeit vor. Knapp jeder zweite Berliner (48 Prozent) ist erwerbstätig, der überwiegende Teil arbeitet in der Hauptstadt, davon jeder 13. überwiegend zu Hause. 78.000 von 137.000 Berliner Pendlern arbeiten im Land Brandenburg. Aber auch die Brandenburger pendeln: 233.000 fahren jeden Tag in die Hauptstadt. Der Anteil der Erwerbstätigen liegt bei 51 Prozent. 484.000 Brandenburger arbeiten außerhalb ihres Landeskreises.

Außer zur Lebenssituation der Deutschen liefert der Zensus 2011 auch ein umfangreiches Bild von Wohnhäusern und Wohnungen – zum Beispiel zu Ausstattung, Leerstand, Nutzung und Eigentümer. So zeichnet die große Statistik für Berlin ein Bild von der „Mieterstadt“: Nur 15 Prozent aller Wohnungen gehören ihren Bewohnern – ein niedriger Wert, verglichen mit dem Bundesgebiet. Aber auch innerhalb der Stadt gibt es ein starkes Gefälle: In Friedrichshain-Kreuzberg liegt der Anteil bei 5,5 Prozent, in Steglitz-Zehlendorf bei 26,6 Prozent.

Trotz niedrigerer Einwohnerzahlen als angenommen sprach Klaus Wowereit am Freitag von Berlin als „wachsender Stadt“. Das sei „unverändert richtig, nur die Basis hat sich verändert“. Nach wie vor gelte die Annahme, dass die Stadt bis zum Jahr 2030 etwa 245 000 Einwohner mehr haben wird.

Für den Zensus 2011 waren in Berlin vier Prozent aller Haushalte befragt worden, im Land Brandenburg waren es zwölf – sowie alles Haus- und Wohnungsbesitzer.