Schriftsteller Peter Prange
Foto: Christian Schulz

Berlin - Peter Pranges Vorfahren haben dereinst die Bewohner von Altena in Nordrhein-Westfalen mit Betten, Matratzen und Daunendecken versorgt. Und der Bestsellerautor, der am Dienstag 65 Jahre alt wurde, sorgt seit Jahren für die Bücher auf den Nachtschränken. Als Lieferjunge für Betten-Prange machte er immer wieder diese Erfahrung: „Du bist kaum im Schlafzimmer, da erzählen dir die Menschen die intimsten Geschichten aus ihrem Leben. Dabei habe ich mich vollgesogen mit Geschichten. Das war für mich meine Schule als Autor.“ Einer seiner bedrückendsten Texte war dann die Danksagung an die langjährigen Kunden, die Prange im Namen seiner Eltern schrieb, als diese das Geschäft in den Neunzigerjahren schließen mussten.

Mitten in der Corona-Pandemie lief im Ersten die Verfilmung seines Bestsellers „Unsere wunderbaren Jahre“, was eine höhere Quote als zu Zeiten ohne Hausarrest brachte. „Normalerweise kaufen die Leute Bücher, wenn eine Romanverfilmung ausgestrahlt wird. Aber keine einzige Buchhandlung war offen. Und auch bei Amazon konnten die Leute nicht bestellen, denn Amazon hat damals sechs Wochen quasi keine Bücher verkauft. Die haben gesagt: Klopapier first.“

Schon Pranges erster Roman „Das Bernstein-Amulett“ war ein großer Erfolg, von dem er sich aber nicht unter Druck setzen lassen wollte: „Das kann etwas Erdrückendes haben, aber man darf das nicht so sehr an sich herankommen lassen und muss sich auf die Geschichte konzentrieren. Ich glaube, ein Autor ist immer gut beraten, wenn er sich bewusst macht, dass das Publikum tut, was es will.“ Er ist sich sicher: „Das Einzige, was ich machen kann, ist eine gute Geschichte zu schreiben.“ Für den Verlag ist das nicht immer einfach: „Ich bin mein schärfster Kritiker und habe schon oft Dinge, die der Verlag abgesegnet hatte, noch mal von vorne angefangen, weil sie nicht gut waren.“

Pranges Genre, der historische Roman, machte in den vergangenen Jahren schwierige Zeiten durch. „Das hatte damit zu tun, dass es viele historische Romane gab, die eher in Disney World spielten als in einer konkreten, historischen Wirklichkeit, um die ich mich immer bemüht habe. Deshalb wendeten sich viele Bildungsbürger vom historischen Roman ab. Das hat die Umsätze halbiert.“ Unter den Büchern, deren Absätze darunter leiden mussten, waren auch Pranges Romane „Die Gottessucherin“ und „Der Kinderpapst“, die der Schriftsteller deshalb wie Kinder betrachtet, die man besonders liebt, weil sie es nicht leicht hatten: „Gerade ‚Die Gottessucherin‘ ist eines meiner besten Bücher und kommt deshalb in Kürze bei Fischer noch mal neu unter dem Titel ‚Die Götter der Dona Gracia‘ heraus, den ich ursprünglich selbst vorgesehen hatte.“

In „Unsere wunderbaren Jahre“ spielte Katja Riemann Pranges Mutter. Er schmunzelt darüber: „Meine Mutter war der Inbegriff der Harmonie. Ihr ständiger Spruch war: ‚Jetzt tut mir die Liebe und streitet euch nicht!‘ Man kann Katja Riemann wirklich einiges nachsagen, aber dass sie harmoniesüchtig wäre, nun wirklich nicht.“

Gerade schreibt Prange an seinem nächsten Tausend-Seiten-Roman. Er kommt dafür öfter zur Recherche nach Berlin und verbindet das mit Besuchen bei seiner Tochter. Der Roman erzählt die Zeit der Weimarer Republik von 1918 bis 1933. „Und zwar unter dem Aspekt, dass die Weimarer Republik wahrscheinlich das größte Freiheitsprojekt war, das es jemals in Deutschland gegeben hat.“ Die Zeit, bis er damit fertig wird, sollte er auf Bitten des Verlages eigentlich nur mit einer kleinen Weihnachtsgeschichte für das Herbstprogramm überbrücken. Daraus wurde der Roman „Winter der Hoffnung“, der heute herauskommt und es auch auf über 300 Seiten bringt. Prange sagt fast entschuldigend: „Ich kann nicht kurz!“ Was auch daran liegt, dass er die Figuren dieses Buchs, das im Hungerwinter 1946 spielt, schon so gut aus „Unsere wunderbaren Jahre“ kennt: „Die haben ein derartiges Eigenleben entwickelt, dass ich mit dem Schreiben kaum hinterherkam. Die übernahmen buchstäblich die Federführung, ich war plötzlich nicht mehr Autor der Geschichte, sondern Protokollant.“

Wenn man schon mal den Spross einer Bettengeschäftsdynastie befragen kann, darf natürlich die Frage aller Fragen aus dem Matratzenbereich nicht ungestellt bleiben: Kaltschaum oder Taschenfederkern? Prange versucht auszuweichen: „Mein Vater hätte immer gesagt: Taschenfederkern. Ich bin allerdings nicht sehr kompetent. Das ist schließlich 25 Jahre her.“ Worauf er sein Schriftstellerhaupt bettet? „Ich schlafe auf Taschenfederkern, weil ich da meinem Vater vertraue.“