BerlinBloß keine Panik! Wenn Corona vorbei ist, sind Bahnen und Busse wieder voll. Wer sich mit Verantwortlichen aus der Nahverkehrsbranche unterhält, bekommt meist so etwas zu hören. Kein Grund zur Sorge!

Wenn sie sich da mal nicht täuschen. Zwar stimmt es, dass sich die Fahrzeuge nach dem ersten Lockdown wieder füllten. Doch auch in Berlin erreichte das Fahrgastaufkommen bestenfalls 70 bis 80 Prozent des Vorjahresstands. Gehörte es bislang zu den Merkmalen des Berliner Nahverkehrs, dass er von allen Schichten genutzt wurde, werden Fahrgäste bereits seit Beginn der Pandemie mit einem veränderten, deutlich verengten Sozialspektrum konfrontiert. Spätabends gibt es kein Theater- und Restaurantpublikum mehr, das einst zum bunten Bild beitrug. Die Angst vor Ansteckung hat Bahnen und Busse für viele zu einem Angstraum gemacht. Als Mittel der Alltagsmobilität haben sie an Bedeutung verloren – eine Entwicklung, die anderswo schon vor Corona stattgefunden hat.

Momentan nutzen vor allem Menschen den öffentlichen Verkehr, die keine Alternative haben, lautet das Fazit einer Studie des Sozialforschungsinstituts Infas und des Wissenschaftszentrums Berlin. Viele von denen, die aufs Auto oder Fahrrad umgestiegen sind, seien nicht zurückgekehrt. Der Trend zum Homeoffice führt ebenfalls dazu, dass Menschen mit höherem Einkommen fernbleiben.

Das ist gefährlich für die Mobilitätswende, für die ein guter, allgemein akzeptierter Nahverkehr nötig ist. Die Verkehrsbetriebe sollten nicht darauf hoffen, dass sie an die vor Corona erzielten Rekorde nahtlos anschließen können. Sie müssen mehr dafür tun, Vertrauen zurückzugewinnen und sich für die Zukunft rüsten – wozu auch neue Ticketangebote etwa für Homeoffice-Berufstätige gehören. Sonst werden sie auch in Berlin aus dem Blickfeld verschwinden.