Trendthema ist zurzeit das Impfie. Die Weiterentwicklung des Selfies brachte nun auch die englische Herzogin Kate an die Öffentlichkeit. Bloßer Arm, spitze Spritze, entrückter Blick machen den Beweis und sich selbst zum Absolventen des derzeit wichtigsten Gemeinschaftsaktes unserer globalen Gesellschaft: geimpft werden. Wer das Impfie hat, setzt es in die sozialen Netzwerke, von wo es seinen Weg nimmt und für Anerkennung oder Empörung sorgt. Je nach Freundeskreis.

Den Stich intus wartet man gespannt auf Nebenwirkungen. Schwere Auswirkungen beobachtet man seit Monaten besorgt in den Medien, lässt sich aber als eingeschworener Impffreund nicht irritieren. Als Impferfahrener (der Ausweis ist knackevoll mit Chargennummern) weiß man, dass das dazugehören kann. Am unangenehmsten war die Tollwut-Impfung. Viermal im Laufe mehrerer Jahre in Vorbereitung auf Indienreisen. Jedes Mal heftigere Gliederschmerzen, Schwindel und immer ein Anflug von Fieber. War nicht schön, aber wertvoll.

Unter den Kolleginnen und Kollegen, bei Freunden fragt man sich ab, „Was hast du, was habe ich? Fühlt sich an wie eine beginnende Erkältung“, berichteten die meisten. Andere haben Bauchweh, der Darm reagiert. Eine lag sogar drei Tage ausgeknockt zu Bett mit Fieber. Viele spüren nichts.

Dieses Mal bei Covid-19 tat ich das Thema nicht so lässig ab, zu entsetzt bin ich über die Pandemie und ihre tiefgreifenden Auswirkungen auf unser aller Leben. Aber eher erleichtert als ängstlich war ich überwiegend doch. Es wirkt, sagte ich mir, als ich im Bus auf dem Heimweg vom Impfzentrum Ohrenschmerzen bekam, einige Stunden später einen dicken Hals und noch Kopf- und Gliederschmerzen dazu. Abends gleich ins Bett, am nächsten Tag sicherheitshalber darin liegen geblieben, krankgemeldet.

Am Tag zu Hause hatte ich Zeit für Erinnerungen an Kinderzeiten in den 60ern. Halbnackt, frierend, aber fröhlich, weil das Impfen damals noch hundertpro einwandfrei anerkannt war, stand ich mit Dutzenden anderen Unterzehnjährigen in der leergeräumten Schulturnhalle dicht an dicht Schlange. Dresscode Unterhose und Unterhemd, alles weiß/Feinripp. Ein oder zwei Kinder in schwarzen Schlüppern, das war irritierend, noch nicht hip. Angelangt vorne am Tisch legte die ernste Schulärztin im weißen Kittel das Zuckerstück mit gelblichem Fleck mir auf die Zunge. „Schluckimpfung ist süß, Kinderlähmung ist grausam“, der Satz prägt mein Impferleben bis heute.