Neun Jahre tagten sie hinter verschlossenen Türen, doch damit ist es vorbei. Das sechsköpfige Baukollegium – das wichtige Investitionsprojekte in Berlin auf ihre architektonische Qualität begutachtet – diskutiert seit kurzem öffentlich. Am Montag kamen die Experten unter Leitung von Senatsbaudirektorin Regula Lüscher zusammen, um über vier Projekte zu debattieren – und den Investoren und Architekten Empfehlungen für eine Überarbeitung mit auf den Weg zu geben.

Büro- und Geschäftshaus Gloria

Dort, wo das Kino Gloria-Palast am Kudamm einst Besucher anlockte, plant der Investor Centrum den Neubau eines Büro- und Geschäftshauses. Das Projekt ist umstritten, weil die denkmalgeschützten Reste des Kinos – das Foyer mit dem Kassenhäuschen und der Wendeltreppe – abgerissen werden.

Die Genehmigung dafür liegt vor. Neben einem unter Denkmalschutz stehenden Gründerzeitbau sollen nun nach Plänen des Architekturbüros Ortner + Ortner zwei Büro- und Geschäftshäuser entstehen – mit viel Glas, um im Erdgeschoss attraktive Schaufensterflächen zu erhalten. Darin sieht das Baukollegium ein Problem. Der Übergang zum Gründerzeitbau gehe so nicht. Der Entwurf soll überarbeitet werden.

Volt

An der Alexanderstraße in Mitte soll zwischen Alexanderplatz und Jannowitzbrücke ein Büro- und Geschäftshaus mit dem Namen Volt entstehen. Ursprüngliche Pläne für eine Shopping- und Erlebnismall mit Hotel sowie Windkanal und Surfwelle haben sich inzwischen zerschlagen. Die Zusammensetzung der Investoren wechselte, aber die Architekten blieben dieselben.

Nach Plänen des Büros Jürgen Mayer H. soll ein Gebäude mit einer Fassade aus Glaskuben entstehen. Im Erdgeschoss sind Läden, Restaurants und Cafés geplant. Das Baukollegium zeigt sich „begeistert“. Regula Lüscher: „Wir würden uns wünschen, dass mehr Bürobauten so entstehen.“

Notaufnahme und Herzzentrum

Die Charité will auf dem Campus des Virchow-Krankenhauses in Wedding einen Neubau für die Zentrale Notaufnahme und das Herzzentrum errichten. Er soll Platz bieten für 144 Betten. Auf dem Dach des Hauses ist ein Hubschrauberlandeplatz geplant. Er ragt mit den „Fangvorrichtungen“, die als Absturzsicherung dienen, weit über das Dach hinaus.

Grund: So soll die Verschattung eines Innenhofs vermieden werden. Das Baukollegium empfiehlt, nicht zu viele Materialien zu verwenden und meldet den Wunsch an, stärker in die Planung des Areals einbezogen zu werden.

Seniorenwohnanlage an der Dahme

Auf dem Areal, auf dem einst die Restaurants Riviera und Gesellschaftshaus in Grünau ihre Gäste anlockten, plant die Firma Terragon eine Seniorenwohnanlage mit 212 Wohneinheiten, eine Tagespflege für 20 Personen und eine Senioren-WG für zehn bis zwölf ältere Menschen. Nach jahrelangem Leerstand sind die vorhandenen Gebäude in schlechtem Zustand.

Der Riviera-Saal soll aber erhalten bleiben und in die neue Bebauung integriert werden, ebenso das Gesellschaftshaus. Mit Bauvorbescheid wurde das Projekt im Grundsatz genehmigt. Es gibt jedoch Kritik. „Die Bebauung ist viel zu massiv, das gibt es in der ganzen Umgebung nicht“, sagt Anwohner Nils R. Schultze. Das Baukollegium kritisiert vor allem einen gläsernen Verbindungsbau. Lüscher: „Wir finden es schrecklich.“