BerlinAuf Reisen verzichten, zu Hause bleiben: Das ist die Weihnachtsbotschaft, die Politiker und Wissenschaftler für die Bürger haben. Doch wer vor dem Lockdown eine Bahnreise zu Verwandten oder Freunden gebucht hat, kann das Ticket nicht in allen Fällen kostenfrei zurückgeben oder umtauschen. Obwohl der Lockdown zum Jahreswechsel noch vor kurzem nicht absehbar war, werden die Stornobedingungen nicht angepasst. Das geht aus der Antwort des Bundes auf eine Anfrage des Berliner Bundestagsabgeordneten Stefan Gelbhaar hervor. Der Grünen-Verkehrspolitiker kritisierte, dass die Regelungen nicht angepasst werden. „Die Bahn wälzt das Risiko für Lockdowns nun auf ihre Kundinnen und Kunden ab“, sagte er der Berliner Zeitung.

Gelbhaar hatte während der Bundestagssitzung am Mittwoch gefragt, ob Kunden der Deutschen Bahn, die Fahrkarten für Weihnachten oder Silvester gekauft haben, die Kosten auch außerhalb der üblichen Stornobedingungen zurückerstattet bekommen. Viele Menschen hätten Tickets erworben – und wurden dann vom Lockdown überrascht. Was geschieht, wenn sie nun auf den allgemeinen Rat reagieren und nicht reisen wollen?

Steffen Bilger, Parlamentarischer Staatssekretär im Verkehrsministerium, gab Gelbhaar eine abschlägige Antwort. Zitat laut Protokoll: „Nach Auskunft der Deutschen Bahn sind seit dem 13. März 2020 gebuchte Angebote im Rahmen der Tarifkonditionen stornierbar.“ Während des Buchungsprozess werde darauf hingewiesen, so der CDU-Politiker. Das bedeutet: Sonderkonditionen anlässlich des Lockdowns gibt es nicht.

Auf der Website des Bundesunternehmens heißt es unverändert, dass Tickets zum Super-Sparpreis von Umtausch und Stornierung ausgeschlossen sind. Wenn Sparpreis-Tickets bis einen Tag vor dem ersten Geltungstag storniert werden, gibt es gegen ein Entgelt von zehn Euro einen Gutschein. Danach ist eine Stornierung nicht mehr möglich. Wer eine Fahrkarte zum Flexpreis, dem früheren Normaltarif erworben hat, kann es bis zum ersten Geltungstag kostenfrei stornieren oder umtauschen. Das Geld gibt es zurück. Wer später kommt, zahlt eine Gebühr von 17,50 Euro (Nahverkehr) oder 19 Euro (Fernverkehr).

„Viele Berlinerinnen und Berliner haben während der vergangenen Monate oder Wochen bereits Zugtickets gebucht, um Weihnachten coronakonform bei Familie oder Bekannten zu verbringen“, sagte Stefan Gelbhaar. „Bis vor einem Monat war nicht abzusehen, dass sich die Fallzahlen auch über die Feiertage derart dramatisch entwickeln werden.“ Die Stornierung sei kostenfrei nur für teurere Tickets möglich. „Das benachteiligt alle die, die auf günstige Tickets angewiesen sind“, so der Abgeordnete. „In der Zeit der Pandemie sind auch sehr kurzfristige Stornierungen leider nötig. Menschen, die aufgrund der Entwicklung der Coronafallzahlen ihre Reise nun doch nochmal überdenken, werden nicht gerade dazu ermutigt, wenn Tickets nicht erstattet werden."