Ist es ein hilfreicher und harmloser religiöser Brauch oder ein christlicher Missionierungsversuch? Das ist die Frage, die offenbar einige Mitarbeiter des Potsdamer Bildungsministeriums umtreibt. Es geht um die uralte Tradition der Sternsinger. Immer um den Dreikönigstag, also den 6. Januar, ziehen katholische Kinder von Tür zu Tür – auch von Behörden wie beispielsweise dem Bundeskanzleramt – und bitten um Spenden für Hilfsprojekte.

Doch einen solchen Besuch sieht der Personalrat des Potsdamer Bildungsministeriums kritisch. Ganz anders der neue Bildungsminister: Günter Baaske (SPD) hätte die Kinder willkommen geheißen. Aber es habe diesmal keine Anfrage gegeben, sagte Ministeriumssprecher Florian Engels. Deshalb gibt es auch kein Sternsingerbesuch.

Woidke empfängt Sänger

Wahrscheinlich wollte niemand ins Ministerium kommen, weil es im vergangenen Jahr heftige Aufregung gab: Die Jungen und Mädchen hatten am Neujahrsempfang der damaligen Bildungsministerin Martina Münch (SPD) teilgenommen.

Danach allerdings beschwerte sich der Personalrat – also die Mitarbeitervertretung des Ministeriums – über eine angebliche religiöse Vereinnahmung. So hatte es der Personalrat in einem am 4. März 2014 bekannt gewordenen Beschwerdebrief an die Ministerin geschrieben.

Darin hieß es, dass öffentliche Einrichtungen religiöse und weltanschauliche Neutralität zu wahren haben. Mitarbeiter des Ministeriums hätten den Personalrat gebeten, „ihr Unverständnis für die Präsentation dieser religiös geprägten Teile im Zusammenhang mit einer dienstlichen Veranstaltung zum Ausdruck zu bringen“. Weiter hieß es: Glaubens- und Religionsfreiheit bedeute auch, dass jeder selbst entscheide, ob und wann er religiösen Bekenntnissen folge. „Hierzu gehört auch das Recht, ein bekenntnisfreies Leben zu führen.“

Mehr Spielraum in anderen Ministerien

Die Ministeriumsspitze wurde gebeten, „künftig bei dienstlichen Veranstaltungen auf religiöse oder weltanschauliche Darbietungen zu verzichten oder organisatorisch stärker von dienstlichen Angelegenheiten zu trennen“.

Andere Ministerien sehen es nicht so eng: Beispielsweise hat Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD und evangelisch) für den 8. Januar extra einen Empfang der Sternsinger im Brandenburgsaal der Staatskanzlei angesetzt. Die Sternsinger werden auch am 6. Januar im Potsdamer Landtag singen. Im Berliner Abgeordnetenhaus sowie im Roten Rathaus werden die Kinder am 7. Januar erwartet.