Berlin - Der Mann auf dem Laufband schaut gedankenversunken aus dem breiten Fenster, das den Blick auf den Kurfürstendamm und die Schaubühne freigibt. Auf Berlins bekanntestem Boulevard rauscht der Verkehr, doch hier drinnen ist davon nichts zu hören. Musik erfüllt den Raum, in dem der Mann auf dem Laufband joggt. Er ist Kunde bei FitX, einer aus Essen stammenden Fitness-Kette, die 2014 ihre erste Filiale in Berlin gegründet hat. Sie gehört zu den Billiganbietern. 15 Euro Monatsbeitrag zahlt, wer in den mittlerweile sieben Studios trainieren will – 24 Stunden pro Tag und 365 Tage im Jahr. Der durchschnittliche Monatsbeitrag in einem Fitnessstudio in Deutschland liegt bei etwa 40 Euro.

Wer so preiswert trainiert, der weiß: Hier läuft der Umsatz über die Masse. Entsprechend eng stehen die vielen Fitness-Geräte. Wer hierherkommt, muss damit leben, dass er den Schweiß des Nachbarn an der Beinpresse nebenan riechen kann. Doch so preiswert es auch ist bei FitX – billig wirkt es nicht. Es gibt Geräte für den Muskelaufbau ebenso wie fürs Ausdauertraining, außerdem einen riesigen Kraftraum, einen Kursraum und einen separaten Frauen-Trainings-Bereich – und überall läuft andere Musik, die das Angebot unterstützen soll. Getränke sind gratis, ebenso wie die Tipps der Trainer, die in der Kernzeit von 6 bis 22 Uhr anwesend sind. Duschen gibt es auch, und geduscht wird ebenfalls gratis – aber das war es  mit dem Wasserangebot: Bei FitX gibt es weder Sauna noch Schwimmbad. Die Kette bietet das Basisprogramm.

Extra Handtücher für jeden Gast

Der Hersteller der Fitness-Geräte bei FitX, Technogym, ist Marktführer in Deutschland. Und genau der hat auch Aspria Kudamm ausgestattet, das sich 800 Meter entfernt an der Karlsruher Straße befindet. Wer sich dort umschaut, merkt schnell, dass dies kein gewöhnliches Fitnessstudio ist. Das Atrium reicht über mehrere Etagen nach oben, links vom gläsernen Empfangstresen werden an jeden Besucher zwei Handtücher ausgegeben, weiß wie Schnee und kuschlig weich. „Wir sind kein Fitnessstudio“, korrigiert die PR-Dame freundlich und bestimmt vor dem Rundgang. „Das hier ist ein Sport-Club mit Hotel.“

Als „Fitness, Wellness, Spa und Hotel in besonderer Club-Atmosphäre“ preist sich das Aspria auf seiner Homepage, und dementsprechend sieht es dort auch aus. Es ist eine der nobelsten Fitness-Buden der Stadt und erstreckt sich über fünf Etagen. Hier gibt es weder die Enge von FitX, noch das Großraum-Konzept vieler Billiganbieter. Wer hierherkommt, trainiert in deutlich kleinerem Rahmen. Dennoch fällt das große Ganze deutlich voluminöser aus als herkömmliche Studios: 17.000 Quadratmeter ist das Aspria groß, neben den üblichen Fitnessangeboten gibt es ein 25-Meter-Schwimmbecken; mehrere Saunen, ein Hamam, eine begehbare Dachterrasse, sechs Kursräume und selbstverständlich auch eine Kinderbetreuung samt Kinderkursen und Babyschwimmen. Unter den 180 Kursen, die wöchentlich angeboten werden, findet sich normales wie Yoga und Step-Aerobic, aber auch ungewöhnliches wie „Herz & Hantel“ oder Synchronschwimmen. All das gibt es täglich von 6 bis 22 Uhr.

Die Kunden sind meist älter

Im Aspria kann man nicht nur Schweiß und Kalorien verlieren, sondern auch Erspartes. 114 Euro kostet der Monatsbeitrag, bei FitX könnten dafür sieben Kunden einen Monat lang trainieren. Doch wie das so ist in Berlin: Der Markt ist groß, und dementsprechend vielfältig sind Angebote und Nachfrage. 6000 Kunden hat das Aspria in Berlin, und die meisten von ihnen sind mehrheitlich älter. Wer hier trainiert, steht selten am Beginn seiner beruflichen oder auch finanziellen Karriere.

Bei FitX ist das anders. Hier sind die meisten zwischen 20 und 40, auch wenn das Unternehmen gern mehr ältere Berliner ansprechen würde; hier geht es nicht vordergründig ums Wohlfühlen, sondern ums Fitmachen. Die sieben FitX-Filialen in Berlin sind, wenn man so will, nur die Vorhut. „Irgendwann sollen es mal 30 sein“, sagt Nils Sturm, ein muskelbepackter junger Mann, der bei FitX Bereichsleiter für den Osten Deutschlands ist. Berlin habe viel Potenzial. Es sei zwar nicht ganz leicht, geeignete Immobilien für die Studios zu finden, die Mindestanforderung liegt bei 2500 Quadratmeter. Das Studio am Kudamm ist sogar 2900 Quadratmeter groß, die Filiale ist in einer früheren Bowlingbahn untergekommen. Wer eine der Filialen von FitX kennt, findet sich auch in den anderen mühelos zurecht. Alle folgen dem gleichen Prinzip.

Im Aspria hingegen geht es um Individualität. Allein drei Berater stehen für den Gesundheits-Check bei der Aufnahme zur Verfügung, die etwa 90 Minuten dauert. Die Fitness-Geräte im Kardio-Bereich sind allesamt mit Fernseher und Internetzugang ausgestattet. So manch Gast arbeitet hier nebenbei. Schließlich gilt vor allem bei den Besserverdienern: Zeit ist Geld.