BerlinVielleicht habe ich ja was falsch gemacht mit der Heimarbeit in Corona-Zeiten, sprich: Homeoffice. Im Durchschnitt hätten Menschen während des ersten Corona-Lockdowns pro Tag 27 Minuten länger geschlafen und 69 Minuten weniger gearbeitet, heißt es in einer Studie, die ich gerade gelesen habe. Und bei Twitter schrieb jemand: „Das Gute an Corona ist ja, dass man sich im Homeoffice auf die wesentlichen Dinge im Leben besinnt: Netflix, Schokolade und Mittagsschlaf.“

Netflix, Mittagsschlaf? Da frage ich mich: Was sind das für Jobs, die die haben? Also bei mir sah das so aus: Morgens stand ich auf, warf mir irgendwas über und schlurfte mit strubbeligen Haaren und Kaffeetasse in der Hand an meinen Computerplatz. Dort saß ich dann und arbeitete –länger, mehr und konzentrierter als im Büro. Ohne Plauschs mit Kollegen auf dem Flur. Ohne gemeinsames Mittagessen.

Ja, gut, es gab kleine Unterbrechungen: Alle zwei Stunden stand meine Frau, die im Nebenzimmer arbeitete, in der Tür und hauchte: „Kaffee!“ Dann lief ich in die Küche, um meinem unbezahlten Zweitjob nachzugehen: als Barista.

Bei anderen sah der Homeoffice-Tag vielleicht anders aus. Sie genossen erst mal ein schönes Champagner-Frühstück. Dann klickten sie kurz in ihre Mails rein, schauten drei Folgen einer Netflix-Serie, nahmen kurz an der Telefonkonferenz teil, gingen zum Mittag ins Restaurant, arbeiteten ein Stündchen, entspannten sich im Schaukelstuhl, ließen sich die Füße massieren, schauten zwei weitere Netflix-Folgen, guckten noch mal für ein Stündchen in die Arbeit rein und ließen schließlich den Tag gepflegt im Pool ausklingen.

Ich befürchte, dass wir jetzt eine weitere längere Corona-Phase vor allem zu Hause verbringen werden. Und da könnten wir vielleicht von anderen lernen, wie man dabei nicht irre wird. Wir waren einmal in Finnland, in Helsinki. Es war im Juni, an einem der ersten schönen Tage des Jahres. Die Leute lagen überall auf den Rasenflächen herum. Unsere finnische Reisebegleiterin sagte, dass man heute sehr schön am Eisstand eine Vanille-Eistüte („yksi vaniljajäätelötötterö”) bestellen könne.

Dann aber fuhren wir mit dem Boot durch den Hafen, an den großen Eisbrechern für den Winter vorüber. Plötzlich war es mit dem Sommer vorbei. Die Begleiterin sprach nur noch davon, wie schön doch der Winter sei. Und dass es 5,5 Millionen Finnen gebe – aber drei Millionen Saunas. Also: eine Sauna für 1,8 Finnen. Das Wort klang bei ihr kuschelig, warm und gemütlich: „Ssssauunaaaaa“. Sodass man am liebsten vom sonnigen Boot gestiegen und in irgendeine Bude gerannt wäre, um sich in solch eine heiße Sauna zu setzen.

Vielleicht schaffe ich mir auch so ein Ding an, richte dort mein Homeoffice ein und werde zum Saison-Finnen. Dann schwitze ich lauter brühheiße Artikel aus.