Neid – den gab es reichlich am 15. Juli. Denn da empfing der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit zusammen mit hunderttausenden Fans die siegreiche deutsche WM-Elf auf der Fanmeile am Brandenburger Tor. Und Wowereit war nicht nur dem ganzen Team um Joachim Löw extrem nahe, worum ihn natürlich viele beneideten, sondern er sammelte auch noch Unterschriften von Müller, Lahn, Klose und Co. ein. Und das dann auch noch doppelt.

Zum einen verewigte sich das deutsche Weltmeister-Team im Goldenen Buch der Stadt – okay, sowas ist Tradition und normal. Aber dann zückte der Regierende vor laufenden Kameras eine Karte und ließ dort die Elf noch einmal extra unterschreiben.Klar, dass da vermutet wurde, dass Wowereit, der unter seinem Anzug lässig ein weißes Mannschaftstrikot trug, hier vielleicht einer privaten Sammelleidenschaft nachgeht.

Persönliche Übergabe

Zwar wurde das aus dem Senat prompt dementiert. Wowereit habe die Unterschriften für das Deutsche Sportmuseum organisiert. Aber neidische Fans hatten da wohl doch ihre Zweifel.

Seit diesem Montag ist es aber klar: Die Unterschriften der Weltmeister sind im Sportmuseum gelandet. Um 14 Uhr kam Wowereit in dem Gebäude an der Hanns-Braun-Straße unweit des Olympia-Stadions vorbei und präsentierte die zwei Karten mit den 23 Unterschriften der Mannschaft. Und wer da gedacht hat, Wowereit hat die Übergabe nur schweren Herzens gemacht, der irrt. „Ich habe das Sportmuseum schon ein paar Mal mit Ausstellungsstücken versorgt“, sagte der Bürgermeister. Darunter war auch ein Eishockeyschläger des mehrfachen Deutschen Meisters – den Eisbären – mit allen Unterschriften der Spieler. Aber zurück zu den Fußballer-Insignien. Die sind, so muss man es leider sagen, nur eine Sammlung von unlesbaren Kringeln. Niemand kann da einen Namen zuordnen. Das fand auch Wowereit: „Von der Weltmeistermannschaft von 1954 kann man noch jeden Namen genau entziffern.“ Denn die deutschen Sieger-Herren hatten sich damals auch im Ehrenbuch der Stadt verewigt.

Aber die Sieger-Elf von 2014 ist auch in dieser Angelegenheit clever. Jeder Spieler hat in seinen Unterschriftenkringel auch noch seine Spielernummer eingearbeitet. Und so konnte Wowereit zuzusagen als Anlage, die Auflösung des Rätsels gleich mitliefern.

Das Sportmuseum ist für die Spende jedenfalls äußerst dankbar. Denn gesammelt wird dort so ziemlich alles, was mit Sport zu tun hat. So befinden sich rund 100 000 Gegenstände und 1,5 Millionen Sportfotos im Fundus, außerdem 37 000 Sportbücher. Im Museum befindet sich auch der Ball der Nationalmannschaft der DDR mit den Unterschriften aller Spieler, die 1974 an der Fußball-WM teilgenommen haben und die ja bekanntlich auch das Team der Bundesrepublik durch ein Tor von Jürgen Sparwasser besiegten.

Eigentlich gibt es das Sportmuseum bereits seit 1925. Da wurde es unter dem Namen Museum für Leibesübungen gegründet. 1934 wurde die Einrichtung von den Nazis geschlossen. Nach der Wende wurden dann die Sammlungen aus dem Sporthistorischen Kabinett Berlin, dem zentralen Sportmuseum der DDR und dem West-Berliner Forum für Sportgeschichte zusammengeführt. Zur Zeit ist eine Ausstellung über die Geschichte des Marathons im Haus auf dem Gelände des Olympia-Parkes zu sehen. Allerdings nur eingeschränkt, weil im Museum Bauarbeiten laufen.

Bürgermeister Wowereit hat am Montag außerdem noch selbst ein mögliches Museumsstück gefertigt. Er signierte ein neues Spielertrikot der Hertha BSC-Elf. Nun sollen noch alle Spieler der Saison ihre Kringel dazu setzten – vielleicht bringt ihnen das ja Glück und vordere Tabellenplätze.