Berlin - Man muss es wohl ein mutiges Unterfangen nennen, wenn sich ein Schnelllieferdienst als Neuling in eine Stadt wagt, in der Radkuriere mit bunten Würfel-Rucksäcken längst zum Straßenbild gehören wie beige Taxis und gelbe Busse. Das junge Unternehmen Wuplo versucht es trotzdem. Seit Ende voriger Woche versorgen die Fahrer des neuen Lieferdienstes ihre Kundschaft aus dem bislang einzigen Depot in der Charlottenburger Bismarckstraße.

Das Geschäftsmodell ist tatsächlich identisch mit dem von Gorillas, Flink oder Getir. Bestellt wird per App oder Website, geliefert binnen zehn Minuten, wobei man allerdings einräumt, dass das vorerst nur im nahen Umfeld des Charlottenburger Lagers möglich sein werde. Für den Rest der Stadt werden Lieferzeiten zwischen 30 und 60 Minuten versprochen. In den kommenden Monaten soll die Lieferzeit aber in ganz Berlin auf zehn Minuten verkürzt werden. Dafür sollen bis Jahresende noch wenigstens elf weitere Warendepots im Stadtgebiet eingerichtet werden.

Gründer wollen die Technologie-Basis des Moskauer Unternehmens nutzen

Wuplo bezeichnet sich selbst als vollwertigen Online-Supermarkt. 5000 Artikel gehören den Angaben zufolge zum Sortiment. Auch regionale Produkte und Spezialitäten seien im Angebot. Weitere lokale Partnerschaften sind in Planung, ebenso wie die Erweiterung des Sortiments um Getränke- und Lebensmittelspezialitäten. Geliefert wird per E-Bikes sowie E-Autos. Die Lieferkosten betragen je nach Warenwert 1 bis 2,60 Euro.

Aber nicht nur das Unternehmen ist neu in Berlin. Die Gründer sind es auch. Es sind vier Russen, die gerade noch in Moskau lebten. Dort hatten Sergey Schetinin und Ivan Vorontsov bereits 2016 den nach eigenen Angaben inzwischen etablierten und erfolgreichen Lieferdienst FamilyFriend an den Start gebracht. Nun wollen es die beiden zusammen mit Evgenii und Maxim Rogover in Berlin versuchen.

Wenngleich sie für Wuplo die Technologie-Basis des Moskauer Unternehmens nutzen, bleibt das Schnellliefergeschäft ein sehr kostenintensives. In der Branche gilt ein Startkapital von etwa 100 Millionen Euro als Minimum. Wuplo bestätigt zwar, dass man Risikokapital eingesammelt habe. Eine konkrete Summe ist jedoch nicht zu erfahren. Dafür teilt man ungefragt mit, dass sich ausschließlich deutsche Investoren beteiligt hätten. Zudem seien noch in diesem Jahr eine Finanzierungsrunde und die Expansion in weitere Städte geplant.