Von Neonazis niedergebrannt: Neue Turnhalle in Nauen feiert Einweihung

Nauen - Die nagelneue Sporthalle im im havelländischen Nauen ist am Mittwochmorgen noch abgesperrt mit einem breiten Band, das später bei der Einweihung durchtrennt werden soll. Auf das Band sind zwei Fotos gedruckt: Auf dem einen ist eine verkohlte Ruine zu sehen.

Das Bild wurde am 27. August 2015 aufgenommen – zwei Tage nach dem Brandanschlag auf die Sporthalle. Das zweite Foto zeigt die neue Drei-Felder-Halle, die an der Stelle errichtet wurde, an der das alte Gebäude niederbrannte.

Detlef Fleischmann, der SPD-Bürgermeister der Stadt, ist beim Anblick der Halle zwiegespalten. Er steht vor dem neuen, sehr modernen Gebäude, das an diesem Tag eröffnet wird. Er sagt, es sei ein schöner Tag, weil die Schule nun ihre Sporthalle wiederbekomme. „Nur der Anlass, der ist nicht schön“, sagt er nachdenklich. Fleischmann erzählt, dass jener 25. August 2015 der schlimmste Tag seiner Amtszeit gewesen sei.

Der gezeigt habe, wohin Fanatismus führen könne. Neonazis hätten mit der Tat zeigen wollen, dass sie keine Flüchtlinge in Nauen dulden würden. In die Sporthalle sollten damals vorübergehend einhundert Flüchtlinge einziehen.

„Eine Tat von Verrückten“

In der Nacht zum 25. August 2015 zerstörte ein Feuer die Halle. Die Tat war Brandstiftung und der Höhepunkt einer Reihe rechtsextremistischer und ausländerfeindlich motivierter Taten, die die Stadt in jenem Jahr erschütterte.

Als Haupttäter wurde der damalige NPD-Stadtverordneter Maik Schneider ermittelt, der im Februar dieses Jahres zu einer Freiheitsstrafe von neuneinhalb Jahren verurteilt wurde. Ein Mittäter muss für sieben Jahre hinter Gitter, vier weitere Mitglieder der Neonazigruppe erhielten Bewährungsstrafen.

Zu Eröffnung der Halle sind an diesem Tag zahlreiche Politiker, Lehrer und Schüler sowie Einwohner der Stadt gekommen. Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) nennt das Niederbrennen der Sporthalle den schwersten Anschlag in Brandenburg auf eine Asylbewerberunterkunft seit 20 Jahren.

„Es war eine Tat von Einzelnen, von Verrückten, von Straftätern“, sagt der Minister kurz vor der Eröffnung der Halle. Eine rechte Stadtguerilla habe damals Nauen unsicher gemacht. Mit der Verhaftung der Täter sei dieser Stadtguerilla jedoch der Kopf abgeschlagen worden. Die Anspannung, die damals über Nauen gelegen habe, sei weg. Viele Einwohner seien bereit, Gesicht zu zeigen.

Man habe den Bau so schnell wie möglich realisieren wollen

Mit der Planung der neue Sporthalle wurde sofort nach dem Brandanschlag begonnen, der Bau selbst dauerte ein Jahr. Er hat nach Angaben von Roger Lewandowski, dem Landrat des Havelland-Kreises, vier Millionen Euro gekostet. Das Gebäude sei im „baugleichen Gewand“ wie die niedergebrannte Halle errichtet worden.

Man habe den Bau so schnell wie möglich realisieren wollen. Als „wichtigste Antwort, die wir der politisch-motivierten Zerstörungswut entgegensetzen konnten“. „Es soll ein Mahnmal und Symbol sein, dass wir uns diesen Leuten nicht ergeben“, sagt er.

Die Schülerinnen und Schüler des Oberstufenzentrums (OSZ) mussten seit dem Brandanschlag zum Schulsport in andere Schulen ausweichen und sogar bis ins 30 Kilometer entfernte Friesack fahren. Ebenso erging des den Sportvereinen, die die Halle zum Training genutzt hatten.

„Ich bin so froh, das wir wieder eine Sporthalle haben“, sagt Anett Franke. Sie ist am OSZ Lehrerin für Sport und Geschichte. Dass Menschen eine Sporthalle zerstören würden, nur weil dort übergangsweise andere Menschen untergebracht werden sollten, sei für sie bis zu dem Brandanschlag unvorstellbar gewesen. „Mir haben damals die Worte gefehlt“, sagt sie.

Als Erinnerung, als Mahnung“

Sebastian Stolze steht am Mikrofon, mit ihm beginnt die Eröffnungsfeier. Der Schüler der zwölften Klasse zitiert einen Liedtext des Nauener Rappers Julian Wendt, der 2015 am OSZ eine Ausbildung begonnen hat, und der sich mit seinen Songs gegen Rechts und Fremdenhass einsetzt. „Ist dir ein Kinderleben weniger Wert als dein Vaterland? Und war es wirklich sinnvoll in jener Nacht, der Hallenbrand?“ Dann sagt Stolze: „Lieber Menschenrechte als rechte Menschen.“

Der 17-Jährige war noch nicht an der Schule, als die Halle brannte. Er sagt, er habe davon aus den Medien erfahren, und er sei erschrocken gewesen. Seine Klassenkameradin Vivian Hoffmeister erzählt, dass es damals wirklich eine gewisse Angst in der Stadt gegeben habe. Sie sagt, dass sie über den Hallenneubau froh sei. „Wir hatten hier schon einmal Sport. Die Größe der Halle, das ist sehr angenehm.“

Am Ende der Feier wird die riesige Halle, die durch Trennwände in drei kleinere Bereiche unterteilt werden kann, eingeweiht und das Flatterband mit den Fotos der Brandruine und des Neubaus durchtrennt. Es landet nicht im Müll. Einige Gäste nehmen es mit. „Als Erinnerung, und auch als Mahnung“, sagt eine Frau.

Bürgermeister Fleischmann wünscht sich, dass die Halle ein Ort der Freude wird. „Ohne die Geschichte zu vergessen.“ In seiner Stadt leben heute 200 Flüchtlinge. Er sagt, sie gehörten zum Stadtbild.