Es gibt warme Suppe, heißen Tee und Decken. Durch die beiden Pappeln am Bahndamm in Treptow, in die Aktivisten von Bürgerinitiativen Hängematten gespannt haben, pfeift ein eiskalter Wind. Doch wer ein Anliegen hat, lässt sich so schnell nicht beeindrucken, wie Peter Schwarz von Robin Wood sagt. Seine Baumschutz-Organisation und die Initiative Karla Pappel, die gegen Gentrifizierung aktiv ist, haben zum Kampf gegen den Weiterbau der Autobahn A 100 aufgerufen. Die Trasse soll ab 2021 von Neukölln nach Treptow führen. Zwei Häuser an der Beermannstraße mit 110 Wohnungen stehen auf der Abrissliste, ebenso die benachbarten Kleingartenanlagen am Bahndamm. Seit Sonntagabend halten zwischen 20 und 50 Aktivisten – genaue Zahlen werden nicht genannt – die 23 Parzellen besetzt. Am Sonntag lief der Pachtvertrag aus, am Montag wurden die letzten Gärten ordentlich geräumt an den Senat übergeben.

Eine Massenbewegung ist die Besetzung nicht, zumal es auch zwischen den Kleingärtnern knistert. Bis zuletzt gab es bei ihnen Streit um die Höhe der Entschädigungen, die sie für die Aufgabe ihrer Erholungsflächen bekommen. Einige Laubenpieper beklagten sich lautstark, erreichten in Nachverhandlungen höhere Summen und verhalten sich jetzt still, bis das Geld auf dem Konto ist. Sie fühlen sich von anderen Gärtnern angefeindet, die weniger laut waren und jetzt mit geringeren Entschädigungen auskommen müssen.

Der Protest am Treptower Bahndamm könnte der letzte Versuch sein, das Autobahnprojekt doch noch zu stoppen. Alle Proteste, Klagen und Aktionen haben dies bislang nicht vermocht. Der Robin-Wood-Mann Schwarz sagt: „Wir wollen ein Moratorium, bis der neue Stadtentwicklungssenator im Amt ist.“ Der heißt Andreas Geisel und ist noch Bürgermeister des Bezirks Lichtenberg. In einem Interview hatte er vor wenigen Tagen den Bau der A 100 befürwortet, aber hinzugefügt, dass die Trasse nicht in Treptow enden dürfe. An der Elsenbrücke, wo der jetzt begonnene Abschnitt endet, werde es sonst Verkehrsprobleme geben. Geisel plädiert deshalb für einen zügigen Weiterbau bis zum Pankow-Zubringer.

Eine Steilvorlage für die Autobahngegner. Denn bislang hatte die Politik alle Verkehrsprobleme an der Elsenbrücke verneint, von einer Verlängerung bis nach Pankow war nie die Rede. „Diese neue Offenheit erfordert neue politische Debatten“, sagt Schwarz. Auch der Berliner Grünen-Abgeordnete und Autobahngegner Harald Moritz ist für Verhandlungen. Er hat bereits um einen Gesprächtermin beim Noch-Stadtentwicklungssenator Michael Müller gebeten.