Berlin - Wer jetzt nach Dahlem in die Staatlichen Museen fährt, hat das Gefühl, in eine Wohnung kurz vor dem Umzug zu kommen. Die Veranda und das Gästeschlafzimmer sind zwar schon ausgeräumt, die Bücherregale im Arbeitszimmer markiert für das Einpacken, aber im Wohnzimmer, in der Küche und in den Kinderzimmern herrscht noch ganz normales Leben.

Das Wohnzimmer, das wäre hier die große Eingangshalle der Museen an der Takustraße, die an diesem und an den beiden kommenden Wochenenden zum 20. Mal Schauplatz des Marktes der Kontinente ist. Stoffe, Puppen, Speisen aus Amerika, Afrika, Asien – Weihnachtsshoppen der anderen Art. Das Gästeschlafzimmer sind die schon seit Januar nicht mehr zugänglichen Hallen der Pazifikabteilung mit der Schiffssammlung, während der Altamerika-Saal dem Arbeitszimmer gleicht: Die großen Steinstelen aus Mittelamerika sind schon ihrer Kunststeinverkleidung entledigt, stehen aber noch an Ort und Stelle.

Noch immer modern und frisch

Es ist das letzte Mal, dass der Markt der Kontinente hier stattfindet. Denn die Museen in Dahlem werden, mit Ausnahme des Museums Europäischer Kulturen, am 8. Januar 2017 endgültig ihre Ausstellungsräume schließen. Bis dahin sind hier noch die Schätze der chinesischen und japanischen Kulturen und eine feine Sonderausstellung zur buddhistischen Architektur Zentralasiens zu sehen, Skulpturen aus Afrika, Keramiken der Maya und Azteken. Manches, wie der große Altamerika-Saal, wirkt auch nach einem halben Jahrhundert Nutzung ästhetisch unerhört frisch und modern. Mal sehen, ob die Räume im „Schloss“ solch klassische Eleganz erreichen oder nur poppige Zeitgenossenschaft, wie sie die bisherigen Zeichnungen verheißen. 

Das Dahlemer Schlussprogramm verspricht Ausstellungen, Debatten, Führungen, sogar noch einmal Teezeremonien. Bis 8. Januar. Und danach – nun, da muss sich das Museum Europäischer Kulturen eben alleine durchschlagen. Immerhin gibt es wieder ein Café, für das die überaus engagierte Betreiberin nicht genug zu loben ist, in einem Gebäude allerdings, das bisher nicht einmal einen behindertengerechten Eingang hat. Dahlem zu verlassen ist eben ein Epochenbruch der Berliner Museumsgeschichte.