Neukölln - Der Schillerkiez schreibt Unterschriftenlisten für ein Café voll. Der Vermieter möchte das „La Bettolab“ aus dem Haus in der Okerstraße 43 schmeißen. Nach der Abmahnung folgte die Kündigung. Nun steckte eine Räumungsklage im Briefkasten. Wenn es schlecht für ihn läuft, sitzt Betreiber Emanuele Femia (36) im August auf der Straße. Er sagt: „Ich fühle mich dadurch traumatisiert.“

Sein Anwalt Peter Raabe hat die Listen und Unterstützerbriefe ordentlich abgeheftet. Ein dicker Ordner mit über 300 Unterschriften aus der Nachbarschaft ist zusammengekommen. Ob sie das Aus von „La Bettolab“ verhindern können, ist unklar.

Der Betreiber ist ernüchtert. Dabei war Emanuele Femia 2010 voller Hoffnung von Süditalien nach Berlin gekommen. Er freute sich auf die Künstler-Szene und mietete die Räume in der Okerstraße 43 an. 2015 eröffnete er das „ La Bettolab“. Es sollte ein Ort für Künstler werden – Kneipe und Café mit vielen Projekten.

Luxemburger Firma kaufte das Haus

Kurz vor der Eröffnung wechselte der Vermieter. Die Firman Properties S.à.r.l. mit Sitz in Luxemburg übernahm die Räume von einem holländischen Unternehmen. Der Ärger ließ nicht lange auf sich warten. Der Vorwurf an Emanuele Femia: Sein Betrieb sei zu laut, er betreibe eine Touristenkneipe. Das stehe so nicht im Vertrag.

Tatsächlich ist in La Bettolab viel los von Konzerten über Workshops. Doch nach Auskunft des Wirts geht der Betrieb von mittwochs bis samstags nur von 16 Uhr bis 0 Uhr. Danach sei Schluss. „Der neue Vermieter will mich einfach nicht. Dabei zahle ich immer meine Miete“, sagt Emanuele Femia wütend. Für 72 Quadratmeter zahlt er 600 Euro kalt.

Landgericht verhandelt am 13. Juni über die Räumungsklage

2016 bekam er die erste Abmahnung und im September 2017 die erste Kündigung. Im Schillerkiez formierte sich der erste Protest und der Luxemburger Vermieter hielt lange die Füße still – bis jetzt.

Am 13. Juni verhandelt das Landgericht Berlin über eine Räumungsklage des Vermieters. Eine Nachbarin aus dem Haus, die das Café anscheinend nicht mag, hat ein Lärmprotokoll angefertigt. Emanuele Femias Anwalt: „Das Protokoll geht nur über zehn Tage. Es ist völlig absurd, damit eine Räumungsklage zu begründen.“ Gibt das Landgericht der Klage dennoch statt, kann das das Aus für das Café bedeuten. Wirt Emanuele Femia müsste acht Wochen später raus. Der Anwalt des Vermieters will sich auf Anfrage der Berliner Zeitung nicht äußern.

Der Wirt sagt: „Es ist nur diese eine Nachbarin, die sich beschwert.“ Draußen auf dem Bürgersteig der Okerstraße kommt ihm ein Mann aus dem Kiez entgegen. Sie begrüßen sich laut und hauen sich auf die Schulter. Der Nachbar, sagt: „Auch ich habe neulich einen Unterstützerbrief geschrieben. Für meine Kneipe“