BerlinAlle Jahre wieder – das Weihnachtslied steht für viele Traditionen, aber leider auch für ein unschönes Phänomen: Wenn es auf die Weihnachtstage zugeht, boomt der illegale Handel mit Hundewelpen. Und gerade jetzt zu Corona-Zeiten noch mehr. Viele wollen sich sein knuffiges Geschenk unter den Tannenbaum setzen, doch das geht zulasten der wehrlosen Hundebabys. Tierschützer warnen vor den Geschäftemachern.

Schon im August wollte Sascha Hemmerling für seine Ex-Freundin und deren Kinder ein Haustier kaufen. „Sie hatten einen Hund, doch der war verstorben – und die Kleinen litten darunter“, sagt er. „Also suchte ich im Internet nach Welpen.“ Er kam in Kontakt mit einem Händler, schnell wurde ein Termin vereinbart. „Wir trafen uns auf der Straße. Die Anzeichen, dass etwas nicht richtig ist, haben wir nicht gesehen.“

Die Kinder verliebten sich sofort in den Welpen, einen Labrador-Schäferhund-Mix. Zwar habe er schwach gewirkt, „aber der Verkäufer sagte, sie seien gerade spazieren gewesen.“ 580 Euro zahlte Hemmerling, die Familie nahm das Tier mit. „Ich war froh, dass die Kids wieder lächeln.“ Doch dann, zu Hause angekommen, ging es dem Welpen schlechter. „Die Kleine hatte Krämpfe, hat gehechelt.“ Auch der Tiernotdienst kam zu spät: Zwei Stunden nach dem Kauf war das Tier tot.

Was Hemmerling passierte, passiert auch anderen Menschen, jeden Tag. Sie wollen einen Hund, werden im Netz fündig. Gerade in der Vorweihnachtszeit boomt hier der Handel mit Hundewelpen. Die Tiere kommen häufig aus Vermehrungsstationen in Ost-Staaten, werden viel zu jung von ihren Müttern getrennt, sind oft schwer krank. Tierschützer warnen. „Momentan werden viele hilflose Welpen in kalten Transportern aus Osteuropa nach Deutschland geschmuggelt, denn zu Weihnachten ist die Nachfrage nach niedlichen Welpen besonders hoch“, sagt Daniela Schneider, Heimtier-Expertin bei „Vier Pfoten“. „Das nutzen kriminelle Händler skrupellos aus. Gerade in der Adventszeit raten wir dringend vom Tierkauf im Internet ab.“

Foto: Christian Schulz
Tierschützer Stefan Klippstein mit seinem Welpen Hund Schorsch, den er einem Händler abnahm.

Das größte Anzeigenportal „ebay Kleinanzeigen“ hat bereits Anfang Oktober die Regelungen für Tier-Angebote geändert, um etwas für den Tierschutz zu tun. Seitdem werden nur noch Anzeigen für Hunde zugelassen, die mindestens zwölf Wochen alt sind, Angebote für Qualzucht-Rassen sind verboten. „Aber es gibt leider ein Schlupfloch“, sagt Stefan Klippstein. Der Tierschützer beobachtet den Tierhandel seit Jahren. „Die Händler gehen jetzt den Umweg über Suchanzeigen.“ Sie reagieren gezielt auf Anzeigen von Menschen, die nach einem Hund suchen. Klippstein stellte mehrere Fake-Anzeigen online, suchte für seine Familie nach einem jungen Hund. „Schon 15 Minuten später meldeten sich die ersten Händler, die mir Welpen aus Polen anboten.“ Bis zu 60 Antworten bekam er auf jede seiner Anzeigen, viele von dubiosen Händlern. 

Die Hundewelpen sind oft verwurmt, verfloht und abgemagert

Einen der angebotenen Hunde kaufte der Tierschützer, für 360 Euro konnte er das Tier in der Friedrichstraße abholen. Das Ergebnis: „Der Welpe war neun Wochen alt, verwurmt, verfloht, er war abgemagert. Man sieht daran, dass der Handel genauso weiterläuft, nur auf anderen Wegen“, sagt er. Besonders das Corona-Jahr habe dem Tür und Tor geöffnet, denn im Lockdown schafften sich viele Menschen einen Hundewelpen an. „Und nun steht noch das Weihnachtsgeschäft an. Wenn keine Grenzschließungen mehr kommen, wird der Hundehandel weiterhin boomen.“

Generell gilt: Tiere sind keine Weihnachtsgeschenke. Darauf weist auch „Vier Pfoten“ hin. Die Sehnsucht nach tierischer Gesellschaft sei zwar nachvollziehbar. „Doch die meist turbulenten Weihnachtstage sind ein schlechter Start für eine vertrauensvolle Mensch-Tier-Beziehung. Ein Hund braucht Ruhe, Geduld und einen geregelten Tagesablauf, um sich in seinem neuen Zuhause zurechtzufinden“, heißt es.

Die Tierheime verhängen deshalb einen Vermittlungsstopp. „In diesem Jahr kommt dem wegen der Corona-Krise eine besondere Bedeutung zu“, erklärt Annette Rost, Sprecherin des Berliner Tierheims. Die Nachfrage nach Haustieren sei 2020 enorm gestiegen. „Trotzdem darf man nicht vergessen, dass Tiere Lebewesen mit eigenen Bedürfnissen sind. Ihre Anschaffung muss wohlüberlegt erfolgen, denn ein Tier kann man nicht in die Ecke stellen und vergessen wie ein ungeliebtes Spielzeug“, sagt Rost.