Achtung: Die Hütchenspieler sind wieder zurück in der Stadt.
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Berlin Es scheint, als hätte sich die Lage in der Hauptstadt etwas entspannt. Nach und nach öffnen die Kneipen und Hotels wieder. Auch die Taxifahrer schauen nicht mehr so finster in die Zukunft. Berlin erholt sich, wenn auch nur zögerlich. Viele sehnen sich nach der Zeit ohne Virus.

Zwar ist noch die Maskenpflicht in den Läden und in den Lokalen nicht aufgehoben und der Mindestabstand muss eingehalten werden, aber mittlerweile hat sich das eingespielt. Auch wenn es befremdlich aussieht. Egal. In einem Punkt hat sich nichts geändert: Am vergangenen Wochenende waren sie wieder da, auch wenn die Zahl der Touristen in der Stadt insgesamt noch sehr übersichtlich ist. Ich meine die Hütchenspieler. Den Winter verbrachten sie vermutlich in Kellern fremder Leute, um mit zunehmen, was sie tragen und später verkaufen konnten.

Jetzt zieht es sie aber wieder ins Freie. Am Sonntag habe ich mehrere Spieler gesehen. Ihre Masche haben sie nicht geändert. Zwei Männer sichern in ausreichendem Abstand die Spieler und schlagen Alarm, wenn Polizisten im Anmarsch sind. Zwei andere animieren die Umherstehenden zum Mitspielen, und einer von ihnen lässt eine Kugel verschwinden unter drei Behältern. Das alles dauert nur wenige Minuten. Kein Mitspieler kann gewinnen. Das ist Präzision auf höchstem Niveau. Seit Jahren warnt die Polizei vor dieser Betrügerei.

Dennoch fallen immer wieder Besucher und Berliner darauf rein. Das Spiel reizt. Da bleibt die Vernunft auf der Strecke. Es ist die Gier nach dem schnellen Geld. Ich hatte sie auch eine Zeit lang. Glücklicherweise ist das vorbei. Am Sonntag lungerten die Falschspieler an der Museumsinsel in Mitte herum und warteten auf Kunden.

Sie mussten nicht lange warten. Ein verliebtes Pärchen aus Auerbach im Vogtland blieb bei ihnen stehen und ließ sich einwickeln vom Charme der Männer und der Vorfreude auf den Gewinn. Sie gaben sich beide große Mühe. Der Betrüger kaum. Schließlich verließen sie den historischen Ort mit 100 Euro weniger in der Tasche. Kurz darauf probierten es zwei Jugendliche aus Berlin. Auch sie verloren. Und dann kamen Polizisten. Bevor sie die Männer kontrollieren konnten, waren sie über alle Berge.

Eine Stunde später waren sie wieder da. Und die Show begann von neuem.