Kriminelle schlüpfen in Uniformen, um sich bei Senioren ins Vertrauen zu schleichen. Die Polizei warnt vor der Betrugsmasche mit falschen Sanitätern.
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BerlinEnkeltrick war gestern. Die Angst vor einer Corona-Infektion nutzen Betrüger nun aus, um sich mit perfiden Tricks Zutritt zu Wohnungen zu verschaffen. Besonders betroffen ist die Risikogruppe Nummer eins: die Senioren. Nachdem ein 79-Jähriger in Spandau Opfer von falschen Sanitätern wurde, warnt die Polizei vor einer neuen Betrugsmasche.  

Bereits im Frühjahr hatten sich Kriminelle als Beamte des Gesundheitsamtes ausgegeben, um an die Wertsachen älterer Menschen zu gelangen. Eine Seniorin in Pankow erkannte jedoch den Schwindel, weil die Vorgehensweise offenbar zu plump war. Mittlerweile schlüpfen die Trickdiebe in andere Rollen. Sie verkleiden sie sich als Ärzte und Sanitäter. 

In Spandau wurde am vergangenen Mittwochabend ein 79-Jähriger Opfer der neuen Masche. Zwei Männer mit Mund-Nasen-Schutz, die sich mit rot-weißen Uniformen als Sanitäter und Arzt ausgaben, klingelten an der Wohnungstür des betagten Herrn. Die Betrüger erzählten dem Senior, dass es in dem Haus einen Corona-Fall gegeben habe. Sie meinten, sie müssten deshalb seine Wohnung desinfizieren. „Während einer der Täter mit einer Sprühdose durch die Wohnung zog, lenkte der andere den Senioren ab, indem er bei ihm mehrfach Fieber maß und ihn aufforderte, sich im Bad die Hände zu waschen“, erklärte ein Sprecher der Polizei. Nachdem die beiden Männer die Wohnung verlassen hatten, waren die Geldbörse und Haustürschlüssel gestohlen. „Den zuständigen Ermittlern des Fachkommissariats für Trickdiebstahl war diese Masche noch nicht bekannt“, so der Sprecher.

Polizei warnt: Lassen Sie Fremde nicht in Ihr Haus

Die Polizei machte darauf aufmerksam, folgende Hinweise zu beachten: Wenn in der Nähe ein Corona-Fall auftritt, kommt niemand vorbei, um Ihre Wohnung zu desinfizieren. Von Amtspersonen sollten immer die Dienstausweise vorgezeigt werden. Im Zweifel sollte bei der entsprechenden Behörde nachgefragt werden, wenn jemand unangekündigt die Wohnung betreten will. Bitten Sie Nachbarn um Hilfe. Vor allem aber gilt: Fremde niemals in die Wohnung lassen.

Seit März haben sich Diebesbanden bundesweit darauf konzentriert, die Verunsicherung in der Bevölkerung beim Thema Corona für ihre Beutezüge auszunutzen. So geben die Täter unter anderem vor, Beamte des Gesundheitsamtes zu sein. Sie gaukeln den Opfern vor, helfen zu wollen. Sie lassen sich Corona-Tests bei Vorkasse zahlen, die nie stattfinden, oder gaukeln Senioren vor, sie auf das Virus zu testen. Dafür müsse nur ein gewisser Betrag – meistens mehrere Hundert Euro – in bar gezahlt werden. 

Andere täuschen in der Wohnung ein Beratungsgespräch mit Flyer vor. Die angebliche Dienstleistung soll dann bezahlt werden. Die Diebe nutzen solche Situationen aber auch, um die Mieter abzulenken. Andere meinen, dass das Bargeld im Haus desinfiziert werden müsse, um eine Ansteckung zu verhindern. Das gesäuberte Geld wandert dann in die Taschen der Trickdiebe. 

Enkeltrick an die Corona-Lage angepasst

Aber auch der Enkeltrick ist noch nicht ganz aus der Mode gekommen. Die alte Vorgehensweise wurde der aktuellen Lage angepasst. Die falschen Enkel rufen demnach die im Telefonbuch erspähten Großeltern an und schildern beispielsweise, dass sie Geld für Behandlungskosten nach einer Corona-Erkrankung bräuchten. Manche tischen ihren Opfern auch auf, dass sie unter Quarantäne irgendwo festsitzen und für die Unterkunft bezahlen müssen. Sie sagen, sie würden einen Boten schicken, der das Bargeld an der Wohnungstür in Empfang nimmt.

Wenn die Täter wieder verschwunden sind, wird es auch für die Polizei schwierig. Trickdiebe müssen auf frischer Tat ertappt werden. Deshalb sollten Betroffene bei Auffälligkeiten immer sofort den Notruf wählen. Gerade bei Geldübergaben können die Ermittler dann die Kriminellen überführen.