Weltberühmter Mittelpunkt der IBA 1957: das Berliner Hansaviertel.
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BerlinDer Wiederaufbau des im Krieg zerstörten Hansaviertels stand im Mittelpunkt der ersten Internationalen Bauausstellung (IBA) in Berlin im Jahr 1957. Bei der zweiten IBA, die 1984/87 stattfand, drehte sich alles um die behutsame Stadterneuerung in Tiergarten und Kreuzberg. Nun, mehr als 30 Jahre nach der bisher letzten Internationalen Bauausstellung in Berlin, gibt es erneut einen Vorstoß für eine IBA. Die Architektenkammern aus Berlin und Brandenburg haben sich – 100 Jahre nach der Bildung Groß-Berlins – für eine länderübergreifende internationale Bauausstellung 2020–2030 ausgesprochen.

„Eine IBA möchte sichtbar machen, wie man in Zukunft leben könnte“, sagt Christine Edmaier, Präsidentin der Berliner Architektenkammer. „Gerade jetzt sollten wir die Stimmung des Aufbruchs im Rahmen des Hauptstadtjubiläums und den Willen zu Veränderungen angesichts der dringenden Klima- und Globalisierungsprobleme nutzen, um mit einer IBA 2020–2030 neue Maßstäbe zu setzen.“ Eine gemeinsame Bauausstellung biete die „Chance, die vorhandenen Energien aus Politik und Gesellschaft zu bündeln und auf Grundlage des gemeinsam beschlossenen Landesentwicklungsplans mit Leben zu füllen“.

Für die Architekten steht das Zusammenwirken von Stadt und Land im Mittelpunkt. „Die Vernetzung von Metropole und Umland ist in Anbetracht des Klimawandels eine Aufgabe von weltweiter Bedeutung und zugleich höchster Dringlichkeit“, sagt der Präsident der Brandenburgischen Architektenkammer, Christian Keller.

Tatsächlich bestehen zwischen Berlin und dem Umland vielfache Beziehungen. Mehrere Tausend Berliner ziehen jedes Jahr in den Speckgürtel, um sich dort den Traum vom Haus im Grünen zu verwirklichen. Gut 200.000 Brandenburger pendeln zur Arbeit nach Berlin. Im Berufsverkehr sind die Straßen verstopft, die Regionalzüge überfüllt.

Noch sind Vorschläge und Themen für eine IBA 2020–2030 sehr allgemein, eine Leitidee fehlt, doch erhalten die beiden Architektenkammern für ihren Vorstoß bereits Zuspruch aus der Politik. Die Berliner Grünen-Abgeordnete Daniela Billig sagt, von einer IBA erwarte sie Antworten auf viele drängende Fragen, etwa zur Nachhaltigkeit, zur Klima-Umweltgerechtigkeit, zum Flächenverbrauch und zur Partizipation. Zum umweltfreundlichen Bauen sei eigentlich eine Menge an Technik vorhanden, sie werde nur wenig genutzt. Es gebe an vielen Stellen kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem. „Wenn wir da im Rahmen einer IBA weiterkommen könnten, hätten wir schon was gewonnen“, sagt Billig. Der SPD-Abgeordnete Frank Jahnke sagt, solange es kein gemeinsames Bundesland Berlin-Brandenburg gebe, sei es gut, wenn es Projekte wie die gemeinsame IBA gebe. Zwar unterstützen auch CDU und FDP aus dem Abgeordnetenhaus die Idee, doch dürfte es bei der Festlegung auf eine Leitidee schwierig werden. Die Berliner Linke-Abgeordnete Katalin Gennburg (Linke) sagt, dass für sie das Thema „Wem gehört die Stadt“ wichtig sei. So dürfe der Kampf ums Tempelhofer Feld „nicht außen vor bleiben“.  Es gehe darum, das öffentliche Interesse zu stärken, statt die Investorenwünsche zu erfüllen. CDU-Generalsekretär Stefan Evers sagt dagegen, eine IBA müsse ein „gesamtgesellschaftliches Projekt“ sein. FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja fordert, „ideologiefrei“ an das Thema heranzugehen und offen in alle Richtungen zu diskutieren.

Schon vor wenigen Jahren hatte es einen Versuch für eine dritte IBA in Berlin gegeben, die im Jahr 2020 stattfinden sollte. Doch die Bauausstellung mit dem Leitthema „Draußenstadt wird Drinnenstadt“  wurde abgesagt – offiziell aus Kostengründen, inoffiziell, weil die Leitidee nicht zu überzeugen vermochte. Das soll nun verhindert werden.

Im nächsten Schritt soll nun für die neue IBA ein Start-Kolloquium vorbereitet werden, auf dem das Leitmotiv und die konzeptionelle Grundlage der Ausstellung diskutiert werden soll. Danach sollen die Mittel von beiden Parlamenten beschlossen und die Gremien und Organisationsstruktur für die Bauausstellung eingerichtet werden.

Wie teuer eine Bauausstellung werde, lasse sich erst sagen, wenn klar sei, was geplant ist, sagt Christine Edmaier. Das Geld werde nicht für die Bauten ausgegeben, sondern für die Begleitung durch die Ausstellung. Dies lohne sich in jedem Fall auch finanziell. Denn eine IBA produziere im Vergleich zu dem, was sie koste, das Zehnfache an Wirtschaftskraft.