Berlin - Die Berliner Staatsanwaltschaft hat Betrugsermittlungen gegen den bisherigen Mall-of-Berlin-Generalunternehmer Andreas Fettchenhauer eingeleitet. Eine polnische Subunternehmerin habe Anzeige gegen den Berliner Bauunternehmer erstattet, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, der Berliner Zeitung. Ein Anfangsverdacht habe sich bestätigt. Eine weitere Anzeige wegen Insolvenzverschleppung der Firma Fettchenhauer Controlling und Logistic GmbH (FCL) werde noch geprüft, sagte Steltner. Ein Insolvenzeröffnungsverfahren ist beim Amtsgericht Charlottenburg eingeleitet.

Die FCL hatte die Regie über den Bau von Berlins Renommiereinkaufszentrum am Leipziger Platz übernommen, nachdem der erste Generalunternehmer, die Berliner BSS Beton-System-Schalungsbau, im Sommer 2013 Insolvenz angemeldet hatte. Da war der Rohbau gerade fertig. Fettchenhauer war auch an dieser GmbH beteiligt.

Die BSS war schon 2011 im Zuge bundesweiter Ermittlungen gegen Schwarzarbeit in den Fokus der Justiz geraten. Im März 2013, kurz vor der BSS-Insolvenz, hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt/Main Anklage gegen sieben Beschuldigte erhoben. Einer von ihnen ist der ehemalige BSS-Geschäftsführer Peter Kories. Nach Auskunft der Staatsanwaltschaft geht es in dem Verfahren um bandenmäßigen Betrug, Steuerhinterziehung, Bestechung und das Vorenthalten von Arbeitsentgelt. Die BSS war an diversen Berliner Vorzeigeprojekten wie dem Waldorf Astoria beteiligt und hat auch auf dem Großflughafen BER mitgebaut.

Nach Angaben der Industriegewerkschaft Bau sind schon bei der BSS-Pleite viele der zumeist aus Osteuropa stammenden Arbeiter um ihre Löhne gebracht worden. Wie berichtet, ist das auch jetzt wieder der Fall. Darüber hinaus warten offenbar auch Baufirmen aus Berlin und Brandenburg auf ihr Geld. Ein Betroffener, der angibt, bis Oktober für das Milliardenprojekt am Leipziger Platz als Bauleiter im Einsatz gewesen zu sein, berichtet, schon in den vergangenen Monaten Abschlagszahlungen direkt von dem Investor der Mall, Harald Huth, erhalten zu haben. Huth bestätigt, dies sei „in Einzelfällen“ geschehen, um den Eröffnungstermin im September nicht zu gefährden. Zahlungen an um ihren Lohn geprellte rumänische Arbeiter lehnt Huth bislang mit dem Argument ab, die FCL für alle erteilten Aufträge vollumfänglich bezahlt zu haben.

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Der Inhaber einer kleinen Baufirma, der seinen Namen nicht öffentlich nennen will, berichtet von chaotischen Zuständen auf der Baustelle. Er habe sich gewundert, dass die mit viel Prominenz gefeierte Eröffnung im September genehmigt wurde. Brandschutzauflagen seien oft nicht eingehalten worden, teils ohne Plan gebaut worden.

Wie berichtet, erklärt sich die Bauaufsicht von Mitte für die Mall nicht für zuständig. Der beauftragte Prüfingenieur für Brandschutz, Wolfgang Menzel, hatte bis zum 17. Dezember Auflagen erteilt. Für eine Auskunft, ob diese erfüllt worden sind, war Menzel am Dienstag nicht zu erreichen. Investor Huth sagte, die Mängel würden Stück für Stück abgearbeitet. Aus seiner Sicht gebe es „eher ein Kommunikationsdefizit als sachliche Probleme“.