Berlin - Das Adlon am Pariser Platz  ist das wohl  berühmteste  Hotel Deutschlands. Jetzt wird das  Traditionshaus von einem  Skandal erschüttert.  Intern soll es zu einem Millionen-Betrug gekommen sein, berichtete die Bild-Zeitung am Donnerstag.   Mehrere Mitarbeiter hätten  einzelne  Getränke, hochpreisige Flaschen und anderes Eigentum des Adlon auf eigene Rechnung verkauft.

„In unserem Hotel führen wir regelmäßig interne Kontrollen unserer Geschäftsabläufe durch. Dabei sind wir auf Unregelmäßigkeiten in der Abrechnung an der Lobbybar gestoßen“, bestätigt Sabina Held, Sprecherin des Adlon, gegenüber dieser Zeitung. Und weiter: „Ein externes Unternehmen, welches wir zur Überprüfung hinzugezogen haben, hat unseren Verdacht leider bestätigt.“ Nach Bekanntwerden des Vorfalls habe man die Strafverfolgungsbehörden eingeschaltet, da dem Hotel ein finanzieller Schaden entstanden sei.  Details zum Betrugssystem der Mitarbeiter wollte Sabina Held  „aufgrund der laufenden Untersuchung“  nicht nennen.

Völlig schwarz

Allerdings sind betrügerische Machenschaften in der Gastronomie gang und gäbe.  Zwar müssen in nahezu allen größeren Gastro-Betrieben sämtliche  Speisen und Getränke elektronisch erfasst und eingebucht werden.

Doch oftmals gibt es an den Kassensystem die Möglichkeit, einen imaginären Kellner als   Trainingskellner anzustellen. Sämtliche Eingaben und   Rechnungsbelege erscheinen damit nicht in der Abrechnung.  Gäste können so zwar konsumieren und vermeintlich korrekt  bezahlen – doch das Geld verschwindet  in den Taschen des Kellners.  

Es geht auch simpler: Die Barcrew verkauft selbst mitgebrachte  Getränke und lässt die eigentlich für den Verkauf gedachten Flaschen einfach im Regal stehen. Damit läuft der Verkauf der Getränke völlig schwarz, der Umsatz ist gering. Die Kosten für  Personal und den laufenden Gastro-Betrieb bleiben jedoch unverändert.

Hoher angerichterer Schaden

Eine weitere beliebte Masche:  Storniert ein betrügerischer Angestellter im Kassensystem früh morgens  beispielsweise 10 niemals verkaufte Whiskey zu 10 Euro pro Glas, sind rein rechnerisch 100 Euro weniger im System. Werden dann im laufenden Betrieb tatsächlich 12 Glas Whiskey verkauft, tauchen in der Endabrechnung am Ende des Tages nur zwei Gläser auf.  Wenn die  Getränkevorräte dann  schneller zur Neige gehen als  geplant und der Verdacht aufkommt, dass nicht alles mit rechten Dingen zugeht,  ist es schwer bis unmöglich, noch nachzuvollziehen, welcher Angestellte an welchem Tag wie viel verkauft hat. Oder eben auch nicht.

Doch völlig gleich, welche der unzähligen Betrugsmethoden im Fall Adlon angewandt wurden: Da in der Hotel-Bar bereits für einen gut gemixten Longdrink  ein zweistelliger Betrag fällig wird, ist naheliegend, dass der angerichtete Schaden  sehr hoch ist. Dass es sich  tatsächlich um eine Summe im Millionen-Bereich handelt, wollte  die Sprecherin des Hotels aber nicht bestätigen. Zugleich betonte Sabina Held, dass „zu keiner Zeit Gäste betroffen waren.“ Auch der reibungslose Betrieb der erst kürzlich renovierten und neu eröffneten Lobbybar sei sichergestellt.

Die bisher bekannten  und  mutmaßlich im Betrug involvierten Mitarbeiter wurden bis zum endgültigen Abschluss der Ermittlungen von ihrem Dienst entbunden. (pde)