Berlin - Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) weist den Vorwurf von sich, wonach er zu große Nähe zu Wirtschaftsvertretern pflegt und Vorteile angenommen haben soll. Nachdem am Dienstag bekannt geworden war, dass er nicht nur einen Urlaubsabstecher zum Party-Organisator Manfred Schmidt nach Spanien unternommen hat, sondern auch von dem früheren Bahnchef Heinz Dürr in dessen Privatjet gratis nach London mitgenommen wurde, ging er in die Offensive. Er räumte einen weiteren, bislang unbekannten Freiflug ein. "Heute würde ich das nicht mehr machen", sagte Wowereit. Einen Fehler nannte er sein Verhalten aber nicht.

Wowereit kam überaschend in die übliche Pressekonferenz nach der Senatssitzung. Er wolle die Gelegenheit nutzen, "um ein paar Dinge im Zusammenhang darzustellen". Offenbar will Wowereit sich nicht nachsagen lassen, wie der frühere Bundespräsident Christian Wullf (CDU) zu lange zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen zu schweigen. Der kurze Besuch auf Schmidts Finca bei Barcelona vor acht Jahren, den Wowereit auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen hin Ende voriger Woche öffentlich gemacht hatte, sei rein privat gewesen. Er versicherte erneut, dass es zu Schmidt keinerlei Geschäftsbeziehungen gebe. Der Manager habe vom Senat keine Aufträge bekommen. Gleichwohl sei er bei Veranstaltungen gewesen, die Schmidt organisiert habe, sagte Wowereit.

Der Senatschef bestätigte zudem, 2002 und 2003 mit Heinz Dürr zu einer Wochenend-Einladung des "Capital Club Berlin" nach London geflogen zu sein, ohne dafür zu bezahlen. Diese jährlichen Treffen von rund 50 Prominenten aus Politik und Wirtschaft, bei denen auch Golf gespielt wird, seien nicht dienstlicher Natur. Er habe dennoch rund 300 Euro - den Gegenwert für einen Linienflug - an soziale Organisationen gespendet, um sich nicht angreifbar zu machen. "Ich habe schon damals überlegt: Tust du etwas, das man dir hinterher vorwerfen kann", sagte Wowereit in Bezug auf Wulff, der bestimmte Kosten erst Jahre später übernommen hatte.

Wowereit gestand ein, sich in einer Grauzone zu bewegen. Er sei nicht so naiv zu glauben, dass alle solche Einladungen "den Menschen Wowereit meinen". Trotzdem lege er Wert darauf, auch ein Privatmensch zu sein. "Das lasse ich mir nicht nehmen. Wenn das erwartet wird, wäre das ein falsches Amtsverständnis." Er lehnte es auch ab, dass die Landesregierung Richtlinien für die Annahme von Einladungen entwickelt. Das sei nicht praktikabel. Er erwarte sogar, dass seine Senatoren sich in der Stadt sehen lassen. "Ein Sportsenator, der zu keiner Sportveranstaltung geht, wäre schon sehr merkwürdig", sagte Wowereit. Die Regierungsmitglieder müssten abwägen, welche Einladung sie annehmen und welche nicht. Er selbst werde weiter auf Partys gehen und sich auch vertraulich mit Wirtschaftsleuten treffen. Wowereit erinnerte daran, dass ihm oft vorgeworfen werde, schlechte Kontakte zur Wirtschaft zu haben. Er warnte auch vor einem Klima, in dem "normale gesellschaftliche Kontakte nicht mehr möglich sind".

Wowereit verteidigte auch die Praxis, dass Senatoren und andere Politiker nicht für das Essen bezahlten, wenn sie etwa auf Empfänge gehen. Den Grünen warf er in diesem Zusammenhang Bigotterie vor. Es sei nachvollziehbar, dass die Opposition der Regierung "eins reinwürgen" wolle, doch "am Buffet sind sie immer die ersten", stichelte der Regierungschef.

Die Grünen sehen gleichwohl weiteren Aufklärungsbedarf. Sie bleiben dabei, dass Wowereit sich dem Parlament erklären soll. Rot-Schwarz hatte die Forderung des Grünen-Rechtsexperten Dirk Behrendt abgelehnt, Wowereits Finca-Besuch an diesem Mittwoch im Rechtsausschuss zu thematisieren.